EINVOLL

5.3.05

14:46
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Michael Holzer
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Archiviert in:
Audiophil
Event
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ONE TO von Marianne Maderna

Zwischen den monumentalen Säulen in der abgedunkelten Halle des Semper Depots stehen, liegen, krümmen sich eine Gruppe von Drahtfiguren. Dreimeterhoch, im Schwarzlicht neongelb leuchtend, jede für sich allein. Das Vernisagenpublikum ist fast nicht wahrzunehmen und verliert sich in der Dunkelheit und Grösse des Raumes. Obwohl, in Haltung und Ausdruck unterschiedlich, wecken die Skulpturen Gefühle wie Gleichförmigkeit, Identitätsverlust, Teilnahmslosigkeit und Voyeurismus. An einer Wand läuft eine raumhohe SW-Projektion. Ein junger Sandler, der sich kaum auf den Beinen halten kann, scheint mit seiner Körpersprache die Modellvorlage für die Haltung der Figuren zu sein. Besucher werfen Schatten in die Projektion und scheinen Teil der Handlung zu werden. Sehenswerte, gelungene Inszenierung, meinen wir, und lassen uns ein Glas Weissen schmecken. Jedoch, hochwattige Kommerzgroovies á la Lenny Kravitz veranlassen uns dann zu einem raschen Aufbruch. Die Faust auf´s Aug, wie der Wiener so schön sagt.

Heute morgen finden wir auf einem Flyer zur Ausstellung einen Text von Goschka Gawlik (2 mb, mp3). Hut ab, die Dame hat vielleicht ein Fremdwörtervokabular! Wir meinen, dass es trotzdem schön wäre, wenn Kunsttheoretiker verständlich wären und ein Interessierter nicht das Gefühl hätte, ein völliger Trottel zu sein. Entweder denkt Frau Gawlik so kompliziert oder sie hat einfach kein Interesse, dass man sie versteht, oder man will einfach unter sich bleiben. Künstlerisches Jägerlatein sozusagen! Wir haben jedenfalls herzhaft gelacht!

Martin Wieland

Ich beschäftige mich auch schon lange mit der Thematik: was ist noch Kunst und wo fängt die Verarschung an.
Viele moderne Kunstwerke haben keinerlei ästhetischen Wert – müssen sie ja auch nicht haben. Aber wenn sie nun keine Gefühlsregung auslösen (welche auch immer), müssen sie zumindest den Intellekt anrühren und sollten in diesem Fall zumindest selbsterklärend sein.
Sind sie weder das eine noch das andere, muss man ja nun fast schon froh sein, wenn es eine schriftliche Beschreibung dazu gibt. Diese Beschreibungen sind nun aber oft ellenlang und unverständlich (wie in unserem Fall).
Doch niemand traut sich was sagen – man will sich ja keine Blöße geben und als hirnloser Kunstbanause geoutet werden. So stehen nun alle bewundernd da, nicken begeistert und niemand wagt es eine Frage zu stellen oder gar Unmut zu äußern.
Künstler ebenso wie Begleittexte verfassende Kunsttheoretiker befinden sich damit ja auf sicherem Terrain, was nur allzu oft für schamlosen Betrug (=Verarschung) ausgenutzt wird.

Ich habe dazu nun eine sehr schöne Theorie in einem Buch von Nagib Machfus aus dem Jahr 1965 gefunden. Es geht hier zwar konkret um Literatur, die Theorie lässt findet sich aber ebenso in der bildenden Kunst bestätigt:

„….Die Wissenschaft beansprucht für sich den Thron, und der Künstler kommt sich vor, als gehörte er zu dem dummen Fußvolk. Natürlich sehnt er sich danach, der Verkünder großer Wahrheiten zu sein, bloß fehlen ihm dazu das Wissen und Können. Dass er den Thron verloren hat, schmerzt ihn zutiefst, also wird er zum so genannten zornigen Dichter oder schreibt den Antiroman, oder verfasst absurde Stücke. Und da die Wissenschaftler für Formeln, die keiner versteht, bewundert werden, verfällt mancher Künstler der Wahnvorstellung, von aller Welt bewundert zu werden, wenn er möglichst ausgefallenes, dunkles, völlig unverständliches Zeug fabriziert. Kannst Du die Leute nicht mit langatmigen, ausgeklügelten Gedanken auf dich aufmerksam machen, rennst du eben nackt über den Opernplatz. …“
Nagib Machfus, Der Rausch, OA: Kairo 1965, DEA: Zürich 2003

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