20 Tage

Sonntag habe ich einen Auftrag angenommen bei dem der Projektzeitraum mehr als eng ist. Ein komplettes Branding mit Namen, Claim und Corporate Design soll entwickelt werden. Samt Umsetzung auf alle Kommunikationsunterlagen, Werbemassnahmen in Form von Printhandouts und, damit es auch rund wird, eine Website samt Blog und allem was dazu gehört. Für das gesamte Projekt inklusive Druckphase und Programmierung stehen uns weniger als 20 Arbeitstage zur Verfügung.

Ein so enger Zeitrahmen ist eine grosse Herausforderung. Weniger an die eigene kreative Leistung, das macht mir keine Sorgen. Gute Ideen sind meistens ein Resultat guter Gespräche und daran mangeltes eigentlich nie. Es geht mehr darum schnelle Entscheidungen zu treffen: Welche Aspekte einer Idee sind die richtigen, welche Wege wollen weiter verfolgt werden, welche wandern im Kübel. Was bin ich froh, dass ich das nun schon ein paar Jahre mache, am Beginn meiner Berufskarriere wär mir in so einer Situation wahrscheinlich der Zweifel zum Stolperstein geworden. Ebenso wichtig sind aber auch Auftraggeber die wissen was sie wollen und ein vertrauensvolles Verhältnis untereinander. Die Präsentation von Kommunikationskonzept und Design soll nächsten Sonntag stattfinden. Zeit läuft.

Montag früh gings los. Erster Schritt war das Festlegen des Namens. Die Suche nach einer passenden Internetadresse gestaltete am zeitraubensten. Gute Domains sind virtuelle Spekulationsobjekte und haben die gleiche Bedeutung wie Grundstücke in Bestlage in der realen Welt. Eine Lösung haben wir aber trotzdem gefunden. Eine Gute. Nein. Eine sehr Gute! ;-) Den ganzen Tag wurde gebrainstormed, geskribbelt, diskutiert und ausprobiert. Vieles wurde entschieden, viel mehr aber wurde wieder verworfen. Designprozesse leben im Wesentlichen von der Selektion. Oliver war mir dabei ein wunderbarer Sparringpartner. Am Abend standen bereits die ersten Skribbles vom Logo. Typografie und Farbwelt sind auch so gut wie entschieden. Ein paar gute Ideen für Claim und Werbemassnahmen sind auch bereits da. Summa sumarum bin ich zufrieden mit den Ergebnissen. Den Druck muss ich zwar nicht jeden Tag haben aber im Grunde macht es Spass zu merken, was man in der Lage ist zu leisten.

Und morgen geht es dann mit dem Screendesign weiter.

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Überlegungen hinter einem Design

Wenn ich mit Menschen über Design spreche, mache ich oft die Erfahrung, dass sich wenige vorstellen können wie so ein Designprozess abläuft. Ich möchte hier einmal einen Einblick in die Arbeit an einem unserer letzten Projekte, einem Corporate Design für den Unternehmensberater Ralf Teichgräber geben. Der folgende Schriftzug entspricht noch nicht dem endgültigen Design, obwohl er Elemente davon in sich trägt. Wir verwendeten ihn auf der Übergangsseite im Web um das neue Corporate Design anzukündigen.

Konzept:
Initialen im Logo sind im Beratungsbereich eigentlich ein NoGo. Zuviel Ego. Trotzdem war der erste Gedanke in diesem Projekt mit dem Initial, einem »T«, zu arbeiten. Beim Skribbeln entdeckten wir, dass sich in einem »T« ein Würfel verbirgt. Meinem Gefühl nach war das die richtige Spur, aber einen Würfel zu verwenden war mir dann doch wieder zu weit vom Grundgedanken des Initials entfernt. Zu statisch. Mir ging es auch darum zu visualisieren worum es in einem erfolgreichen Beratungsprozess geht: Transformation. Ich suchte also die Verbindung zwischen Initial und Würfel. Ich wollte weg von der Bestätigung des Egos, hin zur Wirkkraft der Arbeit. Alles war ein Frage des richtigen Blickwinkels.

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Prozess: Aus Karton schnitt ich ein »T« aus, faltete es zu einem Würfel und spielte mit verschiedenen Positionen um zu sehen wie weit sich der Würfel zu einem T öffnen sollte. Nachdem ich mir sicher war dass sich die Idee auch wirklich visuell umsetzen lässt, baute ich das Modell mit Googles SketchUp nach. Mit diesem frei bewegbaren 3D-Modell konnte ich nun ganz genau den perfekten Blickpunkt und den Grad der Öffnung des Würfels bestimmen. Um eine skalierbare Vorlage zu haben die man später weiter verwenden konnte bauten wir das Logo im Illustrator noch ein letztes Mal und bestimmten dabei auch gleich Farbwelt und Typografie. Dieser streng geometrischen Bildmarke musste unbedingt ein geschwungenes Schriftbild Paroli bieten. Aber auf keinen Fall zu feminin, das kommt in dem Umfeld nicht besonders gut. Meine Wahl fiel auf die Corporate S, die auch schon Mercedes gefallen hat. Farben sind in der Beratungswelt fest vergeben, Frauen präsentieren sich vorwiegend Rot bis Braun, Männer zumeist im stumpfen Blau. Gähn! Ich liebe die Reduktion, warum also nicht mal ohne Farbe im Logo, nur Schwarz und Weiss, und Farbakzente nur in der Bildsprache? Ein weiteres Stilelement dass sich während des Designprozesses ergeben hat war die Perforationslinie, die notwendig war um den Würfel im Karton falten. Lässt sich wunderbar visuell ein- und umsetzen. Auch im Web, anzusehen auf der Website Teichgraeber.de. Alle Texte wurden vom Auftraggeber vorformuliert und von uns in der Tonalität geschliffen und mediengerecht adaptiert.

Timeline: 80% unserer Auftraggeber haben ihren Standort in D-Land und ich werde deshalb oft gefragt, wie sich Projekte über diese Distanzen handeln lassen. Zumeist reichen zwei strategische, und deshalb persönliche Termine. Einmal, zum Kennenlernen und Briefing, und ein weiterer für die Präsentation von Konzept und Design. Alle weiteren operartiven Schritte werden via Mail und Telefon abgewickelt. Entwicklungszeit für dieses Projekt waren etwa 10 Wochen, vom Erstgespräch bis zum Launch der Website. Und jetzt bleibt mir nicht viel mehr als viel Erfolg zu wünschen.

Website besuchen: www.teichgraeber.de »

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