An Corporate Design Projekten mag ich, daß man sich ganz an den Kern der Sache heran arbeiten muß. Und auch darf, sofern man ein vertrauensvolles Verhältnis mit seinem Kunden hat. Bei der Entwicklung von langfristig wirksamen, strategischen Design geht es nämlich immer ans Eingemachte. Egal ob es sich dabei um Design für ein Produkt, eine Organisationen oder für ein Unternehmen handelt. Jedes Projekt verlangt ein individuelles Handling. Das fängt bei den Präsentationen an und reicht bis zur Methodik, mit der ein neues Design in den täglichen Umgang implementiert wird.
Aktuell haben wir für die deutsche Unternehmensberaterin Susanne Gier ein Redesign finalisiert. Neben der Namens- und Logoentwicklung wurde auch die Gesamttonalität überarbeitet und auf alle Kommunikationsmittel übertragen. Unter anderen für Präsentationsvorlagen, Handouts und eine neue Website.
Logo:

Auch wenn wir bei der Präsentation eines Logos immer nur einen Vorschlag zeigen, vor jedem Ergebnis steht ein Prozess in dem sich die Kernwerte für die visuelle Umsetzung fokusieren.
Entwicklungprozess:
Die Beraterin firmierte die letzten Jahre unter dem Namen “Viasus”. Fast wäre unser Kontakt gar nicht zustande gekommen. Mein übersensibler Spamfilter hatte den ersten Mailkontakt als Spam identifiziert. Wahrscheinlich wegen des Gebrauchs von VIA… Ein guter Start :-) und mit ein Grund den alten Namen abzulegen und den Personennamen zu verwenden. Zumal ein Branding unter eigenem Namen – gerade im Bereich der persönlichen Beratungspräsenz – ein unschätzbarer Vorteil ist. Zudem bietet der Name “Gier” eine Vielzahl von Möglichkeiten die eigene Tonalität im Beratungskontext zu schärfen und sich damit sebstbewußt vom Mitbewerb zu differenzieren.
Tonalität:

Einfach aber trotzdem außergewöhnlich, das Handout: Sechs Karten in der Größe der klassischen Business-Card, mit farbigen Foldback-Klammern fixiert. Auf den einzelnen Karten werden essentielle Fragen zu den Beratungskompetenzen von Susanne Gier aufgeworfen: Leadership Coaching, Teambuilding und Corporate Change. Die Auflösung und Überleitung zum Kontakt erfolgt auf der letzten Karte, mit dem Satz “Antworten kommen mit der Gier”.
Handout:




Website: www.susanne-gier.de

Ein Dankeschön an alle Mitwirkenden: Stefan Schröcker (Text), Mareen Fischinger (Fotografie), Moritz Böhm (Programmierung), Harald Fürst von Typodruck Sares (Produktion) und Andreas Koblinger für seinen Support bei der Entwicklung der Powerpoint-Vorlagen. Und Last but not Least, Susanne Gier. Danke für dein Vertrauen in unsere Arbeit.
Demnächst wird das Projekt auch dort sein wo es hin gehört. Aber zuerst gehts mal nach Berlin.
Im Vorwort des Buches “Projekt Vitra” schreibt Rolf Fehlbaum, Sohn des Gründer und Präsident des Verwaltungsrates von Vitra:
Wir arbeiten mit Designern die nicht bloß über Gestaltungsgeschick verfügen, sondern in ihre Arbeit Weltsicht und Eigensinn einbringen. Sie verleihen dem Design eine Botschaft, die über bloße Gefälligkeit hinausweist.
Deshalb war unsere Freude groß, als letzte Woche Titi Laflora mit einem Eating-Konzepts für eine Veranstaltung von Vitra beauftragt wurde. Anlass war ein Vortrag vom CEO, Hanns-Peter Cohn vor 110 Architekten, Designer und Künstler zum Thema “Megatrend Sustainability“.

Fünf Tage für Konzeption und Realisierung, nicht gerade üppig. Aber dafür ist das Thema umso spannender. Wir haben uns also die Frage gestellt, wie sich das Thema Nachhaltigkeit im Bewusstsein der Besucher plazieren lässt, ohne den moralisch erhobenen Zeigefinger zu bemühen. Außerdem wollten wir Materialien einsetzen, die wenig bis keine ökologische Spuren hinterlassen. Weder Geschirr noch Besteck wollten wir verwenden und auch allfälligen Restmüll so weit als möglich vermeiden. All das verlangte nach einer “anderen” Präsentation.
Zweckentfremdung fokusiert Aufmerksamkeit
Mit einem Alltagsobjekt wie einem Eierkarton, verbinden die wenigsten ein emotionales Erlebnis. Im besten Fall realisiert man seine Schutzfunktion. Und genau diesen Gedanken wollten wir weiterdenken. So haben wir die graue Recyclingbox mit Kostbarkeiten beschriftet und mit 10 köstlichen Essbarkeiten von Titi Laflora befüllt. Drei verschiedene Desserts wurden adäquat dazu auf quadratischen Eier-Tabletts serviert.


Wir konnten den Auftraggeber auch überzeugen auf die klassiche Buffetpräsentation zu verzichten. Stattdessen überraschten wir die Gäste mit einer Kostbar. Ein formal zurückhaltendes Design, passgenau aus Wellpappe gefertigt und nur mit einem Schriftzug versehen. Dieser wurde manuell in die Wellpappe geschnitten und danach die oberste Papierschicht entfernt.


Die vielen positiven Reaktionen haben uns selbst überrascht. Sowohl von Kundenseite wie auch von den Gästen selbst. Alle leeren Eierkartons wurden Kindergärten zum Basteln übergeben und der verbleibende Restmüll hatte in einem mittelgrossen Müllsack Platz. Und ich würde mich nicht wundern, wenn man sich an diese Veranstaltung erinnert, wenn man das nächste Mal einen Eierkarton in der Hand hält.
Mehr Bilder vom Entstehungsprozess und von der Veranstaltung bei Flickr »
Huch, ein halbes Jahr nichts gebloggt. Ich erspare mir jetzt jeden Versuch der Rechtfertigung. Gründe gäbe es genug, zB. die viele Arbeit. Also zur Sache:
Meine grösste Freude bei der Markenentwicklung ist, dass man das Endergebnis wirklich von Beginn an mitgestalten kann. So auch beim soeben erfolgten Markenlaunch von QIKBEE, einer Software für die Organisation von theapeutischen Praxen. Im Frühjahr 2009 wurden wir von Lemongrass-Software mit dem Branding der Praxissoftware beauftragt.

Im ersten Schritt wurden die Brandvalues definiert und das Kommunikationskonzept entwickelt. Zielgruppen waren Neueinsteiger, ebenso wie Switcher, tendentiell Frauen, mit geringer Softwareaffinität und Schwellenangst. Das Ziel war, einer technischen Anwendung Persönlicheit und ein Gesicht zu geben. Quasi, die Software als gute Fee, immer für mich da wenn es darum geht, meinen Arbeitsalltag zu erleichtern. Das Ergebnis war einfach, nähmlich: Einfach – Effizient – Persönlich – Sicher.
Auf dieser Grundlage fiel im nächsten Schritt die Entscheidung für den richtigen Namen. Im Fokus standen dabei eine gute Integration in die Alltagssprache und eine hohe Eigenständigkeit. Und natürlich musste der Name auch als Domain im Internet realisierbar sein. Die Entscheidung fiel rasch, denn QIKBEE ist schon allein durch das Image der fleissigen Biene positiv aufgeladen und öffnet zudem noch einen grossen Spielraum bei der Visualisierung der Marke. Auch der Claim “Aus Liebe zur Arbeit” basiert letzlich auf diesem Wertesystem.
In den folgenden Schritten wurden Logo, Corporate Design und Corporate Language entwicklelt und im Styleguide die Richtlinien für die kommenden Umsetzungen definiert. Es folgten das Packaging der Software, die auf einem USB-Stick ausgeliefert wird, Anzeigen in Fachmagazinen, DirectMails und eine Website.
Weitere Projektbilder gibt es hier »
Mein tiefer Respekt für Onlab. Würde gerne wissen wie lang man dort an dem Layout für das Domus Magazine gedeixelt hat. Ist aber weit mehr als eine nette Spielerei. In dieser Ausgabe geht es um die Herausforderungen und Möglichkeiten im Web 3.0. Grandiose Umgesetzung von Verknüpfung, Aktivität und Komplexität.
[youtube Xr8JK8T8kJw 450 385]
[via Today and Tomorrow]
Sonntag habe ich einen Auftrag angenommen bei dem der Projektzeitraum mehr als eng ist. Ein komplettes Branding mit Namen, Claim und Corporate Design soll entwickelt werden. Samt Umsetzung auf alle Kommunikationsunterlagen, Werbemassnahmen in Form von Printhandouts und, damit es auch rund wird, eine Website samt Blog und allem was dazu gehört. Für das gesamte Projekt inklusive Druckphase und Programmierung stehen uns weniger als 20 Arbeitstage zur Verfügung.
Ein so enger Zeitrahmen ist eine grosse Herausforderung. Weniger an die eigene kreative Leistung, das macht mir keine Sorgen. Gute Ideen sind meistens ein Resultat guter Gespräche und daran mangeltes eigentlich nie. Es geht mehr darum schnelle Entscheidungen zu treffen: Welche Aspekte einer Idee sind die richtigen, welche Wege wollen weiter verfolgt werden, welche wandern im Kübel. Was bin ich froh, dass ich das nun schon ein paar Jahre mache, am Beginn meiner Berufskarriere wär mir in so einer Situation wahrscheinlich der Zweifel zum Stolperstein geworden. Ebenso wichtig sind aber auch Auftraggeber die wissen was sie wollen und ein vertrauensvolles Verhältnis untereinander. Die Präsentation von Kommunikationskonzept und Design soll nächsten Sonntag stattfinden. Zeit läuft.
Montag früh gings los. Erster Schritt war das Festlegen des Namens. Die Suche nach einer passenden Internetadresse gestaltete am zeitraubensten. Gute Domains sind virtuelle Spekulationsobjekte und haben die gleiche Bedeutung wie Grundstücke in Bestlage in der realen Welt. Eine Lösung haben wir aber trotzdem gefunden. Eine Gute. Nein. Eine sehr Gute! ;-) Den ganzen Tag wurde gebrainstormed, geskribbelt, diskutiert und ausprobiert. Vieles wurde entschieden, viel mehr aber wurde wieder verworfen. Designprozesse leben im Wesentlichen von der Selektion. Oliver war mir dabei ein wunderbarer Sparringpartner. Am Abend standen bereits die ersten Skribbles vom Logo. Typografie und Farbwelt sind auch so gut wie entschieden. Ein paar gute Ideen für Claim und Werbemassnahmen sind auch bereits da. Summa sumarum bin ich zufrieden mit den Ergebnissen. Den Druck muss ich zwar nicht jeden Tag haben aber im Grunde macht es Spass zu merken, was man in der Lage ist zu leisten.
Und morgen geht es dann mit dem Screendesign weiter.

[Quelle: Kevin Connolly]
Kevin Connolly wurde ohne Beine, aber ansonst gesund in Helena, Montana geboren. Mit 20 begann er Skateboard zu fahren, was für Normal-Unglückliche ein starkes visuelles Moment ist, wo man im ersten Moment gar nicht wegschaun kann. Mit 21 begann er zu fotografieren und ging des Studiums wegen nach Neuseeland. Auf seiner Rückreise, bei einem Zwischenstop in Wien, schoss er sein erstes Bild, wo er die Menschen fotografierte die ihn von oben anstarrten. Daraus entwickelte sich »The Rolling Exhibition«, ein Photoprojekt das mittlerweile 32.000 Bilder umfasst.
[via Behindertenparkplatz]

Als unverbessserlicher Bewunderer von charismatischen Rebellen hatte ich eine tierische Freude als Trent Reznor vor ein paar Monaten verkündete, dass er den Vertrag mit seinem Label f***ing findet und ihm nach fast 2 Jahrzehnten die Zusammenarbeit aufkündigt. Ich war ziemlich gespannt wie er denn Vertrieb seiner nächsten Alben angehen würde, hat er sich doch für die letzte Veröffentlichung eine geniale Strategie einfallen lassen. Gerade hat er sein neues Album GHOST I-IV veröffentlicht, zu beziehen ausschliesslich über die NIN-Website unter einer Creative Commons License. Im Unterschied zu Radiohead, deren letztes Album In Rainbow für einen beschränkten Zeiraum für einen frei wählbaren Betrag, zum Download angeboten wurde, verfolgt Reznor eine andere Verkaufsstrategie: 5$ für den Download des kompletten Albums, 10$ als Doppel-CD, 75$ für eine Luxusedition mit DVD und für 300$ gibts auch noch ein Ultra-Deluxe Limited Edition Package (mit signierten Oropax). Zum Schmankerln darf man sich 9 der 36 Titel ganz für umsonst downloaden.
Sparsam und CD-phobisch wie ich bin hab ich mich für die 5$-Variante entschieden. Immerhin war auch noch ein 36-seitiges pdf-Booklet mit starken Bildern des NIN-Artdirectors Rob Sheridan im Preis dabei. Über die Qualität der einzelnen Tracks will ich eigentlich gar nichts schreiben, NIN liebt man, oder eben nicht. Ich gehöre zweifelsohne zu Ersteren.
Seit ein paar Tagen sitze ich jetzt schon über einem neuen Projekt, recherchiere und skribble und es kommt nichts dabei rum. Gar nichts. Wenn man sich so mal richtig in einem Projekt verstrickt hat, wird es Zeit etwas Anderes zu tun. Und machte mich auf um Bücher gucken zu gehen. Und fiel in einen wahren Kaufrauf. Drei Designbücher über Papierveredelungen, italienische Broschüren und Global Corporate Indentity sind jetzt Meins. Aber den wahren Schatz meiner Einkauftour hab ich gleich zu Beginn meiner Einkaufstour entdeckt und eigentlich hätte es die drei anderen Bücher gar nicht mehr gebraucht.
Simplicity von John Maeda fiel mir ins Auge weil es so ein dünnes Büchlein war, was für Meinereins, den das Lesen eher anstrengt, allein schon einen Kaufreiz auslöst. Zudem kannte ich den Autor schon. 2000 hab ich sein Buch Maeda & Media verschlungen. Das war (und ist) viel, viel dicker, nähmlich 450 Seiten schwer. Aber voller inspirierender Grafiken die er allesamt automatisiert mit Computerprogrammen entwickelt hat. Er war (und ist) der Urvater der Softwaregestützen Designs. Seine ersten Experimente mit Computerkunst führte zu den dynamischen Grafiken, wie man sie heute auf vielen Seiten im Netz findet.
Doch die Zeiten wandeln sich (klingt das nicht altklug) und heute finden wir vieles was uns da an Bewegtbild auf den Monitor kommt schlicht nervig. John Madea, heute Forschungsdirektor am Medialab am MIT, ist sich seiner Rolle als Initiator dieses Trend voll bewusst und genau darum hat er Simplicity geschrieben. In dem Buch beschreibt er auf einfachste Weise die Komplexität der Einfachheit. 10 Gesetze mit deren Hilfe man nicht nur perfekte Benutzeroberflächen schaffen kann sondern auch sein Leben reorganisieren kann. Und er schreibt über Gefühle, man möge sich das bitte vorstellen: ein Programmierer und Designer schreibt über Gefühle. Das erinnert mich schon fast an Cluetrain.