Präsentation

5 Minuten davor kommt sie dann, die Unruhe. Wen man nur einen einzigen Entwurf präsentiert, ist das anders als wenn man 5 Vorschläge auf den Tisch legt aus denen sich der Kunde sein Wunschdesign selbst zusammenstoppelt. Von Hier die Schrift, von da die Farbe, das Logo noch doppelt so gross und schon ist der Kunde zufrieden und der Designer entmündigt. Mit einem einzigen Entwurf ist das aber ein Drahtseilakt ohne Netz. Der Moment in dem der Auftraggeber das erste Mal sein neues Design sieht, das Umblättern zu dieser Seite, für den entscheidenden Augenblick. Auf den kommt es an. Und heute, 10 Uhr, war es dann wieder soweit. Alles oder nichts.

Zweimal erst hätt ich mir gewunschen, dass es in diesem Moment ein Netz gegeben hätte. Beide Präsentationen sind daneben gegangen. Das lässt sich dann auch nicht mehr umdrehen. Wär auch gelogen zu behaupten dass es mich nicht getroffen hat, aber nachträglich hab ich meine Fehler während in der Vorbereitung erkannt. Aber all die anderen Male habe ich in Schwarze getroffen aber heute…

…heute auch.

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Überlegungen hinter einem Design

Wenn ich mit Menschen über Design spreche, mache ich oft die Erfahrung, dass sich wenige vorstellen können wie so ein Designprozess abläuft. Ich möchte hier einmal einen Einblick in die Arbeit an einem unserer letzten Projekte, einem Corporate Design für den Unternehmensberater Ralf Teichgräber geben. Der folgende Schriftzug entspricht noch nicht dem endgültigen Design, obwohl er Elemente davon in sich trägt. Wir verwendeten ihn auf der Übergangsseite im Web um das neue Corporate Design anzukündigen.

Konzept:
Initialen im Logo sind im Beratungsbereich eigentlich ein NoGo. Zuviel Ego. Trotzdem war der erste Gedanke in diesem Projekt mit dem Initial, einem »T«, zu arbeiten. Beim Skribbeln entdeckten wir, dass sich in einem »T« ein Würfel verbirgt. Meinem Gefühl nach war das die richtige Spur, aber einen Würfel zu verwenden war mir dann doch wieder zu weit vom Grundgedanken des Initials entfernt. Zu statisch. Mir ging es auch darum zu visualisieren worum es in einem erfolgreichen Beratungsprozess geht: Transformation. Ich suchte also die Verbindung zwischen Initial und Würfel. Ich wollte weg von der Bestätigung des Egos, hin zur Wirkkraft der Arbeit. Alles war ein Frage des richtigen Blickwinkels.

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Prozess: Aus Karton schnitt ich ein »T« aus, faltete es zu einem Würfel und spielte mit verschiedenen Positionen um zu sehen wie weit sich der Würfel zu einem T öffnen sollte. Nachdem ich mir sicher war dass sich die Idee auch wirklich visuell umsetzen lässt, baute ich das Modell mit Googles SketchUp nach. Mit diesem frei bewegbaren 3D-Modell konnte ich nun ganz genau den perfekten Blickpunkt und den Grad der Öffnung des Würfels bestimmen. Um eine skalierbare Vorlage zu haben die man später weiter verwenden konnte bauten wir das Logo im Illustrator noch ein letztes Mal und bestimmten dabei auch gleich Farbwelt und Typografie. Dieser streng geometrischen Bildmarke musste unbedingt ein geschwungenes Schriftbild Paroli bieten. Aber auf keinen Fall zu feminin, das kommt in dem Umfeld nicht besonders gut. Meine Wahl fiel auf die Corporate S, die auch schon Mercedes gefallen hat. Farben sind in der Beratungswelt fest vergeben, Frauen präsentieren sich vorwiegend Rot bis Braun, Männer zumeist im stumpfen Blau. Gähn! Ich liebe die Reduktion, warum also nicht mal ohne Farbe im Logo, nur Schwarz und Weiss, und Farbakzente nur in der Bildsprache? Ein weiteres Stilelement dass sich während des Designprozesses ergeben hat war die Perforationslinie, die notwendig war um den Würfel im Karton falten. Lässt sich wunderbar visuell ein- und umsetzen. Auch im Web, anzusehen auf der Website Teichgraeber.de. Alle Texte wurden vom Auftraggeber vorformuliert und von uns in der Tonalität geschliffen und mediengerecht adaptiert.

Timeline: 80% unserer Auftraggeber haben ihren Standort in D-Land und ich werde deshalb oft gefragt, wie sich Projekte über diese Distanzen handeln lassen. Zumeist reichen zwei strategische, und deshalb persönliche Termine. Einmal, zum Kennenlernen und Briefing, und ein weiterer für die Präsentation von Konzept und Design. Alle weiteren operartiven Schritte werden via Mail und Telefon abgewickelt. Entwicklungszeit für dieses Projekt waren etwa 10 Wochen, vom Erstgespräch bis zum Launch der Website. Und jetzt bleibt mir nicht viel mehr als viel Erfolg zu wünschen.

Website besuchen: www.teichgraeber.de »

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So geht das*

*unser Jüngster, wenn er grundlegende Mechanismen seiner Welt entdeckt.

Letzte Woche habe ich begonnen in unserer Blogroll aufzuräumen, Leichen raus und wirklich Wesentliches rein. Ist nicht viel übriggeblieben, aber Quantität war ohnehin nie mein Fokus. Frisch reingenommen in unsere Blogroll und verlinkt habe ich Amadelio, ein Videoblog das ich seit über einem Jahr verfolge. Amadelio zeigt geradlinig gefilmte Interviews mit Künstlern und anderen Menschen die inspirierend Meinung vertreten.

Blogs haben es so an sich, dass Sie untereinander kommunizieren. Soll heissen, wenn ich einen Link auf eine andere Seite setze, bleibt das dort nicht unbemerkt. Und so kam es, dass ich einen Tag nach der Aktualisierung meiner Blogroll feststellte, dass nun auch Amadelio mit einem Link auf unsere Seite verwies. Unter der Überschrift “Wichtiges und Beliebtes” findet man nun den Link zu Einvoll in prominenter Nachbarschaft gleich unter Christoph Schlingensief. Da kommt Freude auf. Noch mehr Freude dann, beim Lesen des alt-Textes “Form follows Function“.

Liebes Amadelio, Danke!

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Bloggen macht glücklich

Für die Einen ist das Internet eine Brutstätte für Kriminalität und Kinderpornografie oder das Grundübel für Zeitverlust und Informationsüberflutung. Für Andere wieder ist es die blanke Überforderung. Sie wissen zwar dass sie eigentlich müssten, stehen sich aber dann doch wieder selbst im Weg. Es gibt aber auch Andere, für die ist es eine Herausforderung, oder noch besser, eine Möglichkeit. Das sind Jene, bei denen die Neugier siegt. Ein Solcher ist mein Vater.

Internet hat er seit mehreren Jahren und nach langem Intervenieren meinerseits ist er seit 2 Jahren auch stolzer Besitzer eines MacBooks. Der unlimitierte Zugang zu jeder Art von Information, ist für jemanden der Wissen aufsaugt wie ein Schwamm, die Offenbarung schlechthin. Ich bin mir sicher dass er einer der Premiumnutzer der Wikipedia und auch anderer Wissensbörsen ist. Seine Wanderungen, die ihn früher durch die österreichischen Alpen führten setzt er heute in Google Earth fort. Vor etwa einem Jahr bat er mich dann, ihm ein Weblog einzurichten indem er seine Gedanken niederschreiben konnte. Endlich, dachte ich, teilt er sein über Jahrzehnte erworbenes Wissen.

Als Zeuge einer Zeit, die ich mir gar nicht mehr vorstellen kann, erlebe ich durch sein Schreiben die Geschichte aus erster Hand und nicht durch den Filter subjektiv gesteuerter Medienredaktionen. Obwohl ich vieles bereits aus seinen Erzählungen kannte, bekommt mein Vater und seine Gefühlswelt auf einmal ein Gesicht. Nie würde man hinter diesen Zeilen einen 83-jährigen vermuten. Vor allem schreibt er ohne Absicht, er tut es einfach. Und je mehr er schreibt desto weiter taucht er in die Vergangenheit zurück und stellt fest, dass man sich dafür interessiert. Er schreibt über seine Zeit als 19-jähriger Soldat in Italien, die Tatsache vor Augen in Bälde an der Front verheizt zu werden. Er beschreibt das Ressentiment der italienischen Gastfamilie und wie es sich mit der Erkenntnis im gleichen Boot zu sitzen langsam in Gastfreundschaft und Zuneigung wandelt. Und er erzählt von Augusta und der aufkeimenden Liebe zwischen den beiden die aber ohne jede Perspektive für die Zukunft scheint. Das Schreiben im Weblog aber auch die Reflektion der Kommentare auf seine Beiträge spornen ihn an noch weiter einzutauchen in die eigene Geschichte. Und plötzlich passiert etwas Unglaubliches:

In einem Kommentar auf einen jener Artikel meldet sich ein mittlerweile in Lugano lebender Italiener, der aus der Gegend kommt und besagte italienische Familie kennt. Herrlich, nicht? Aber es kommt noch besser: Die beiden intensivieren Ihren Kontakt via Email, man schickt alte Fotos in beide Richtungen, und dann, letzten Sonntag Abend, läutet bei meinem Vater das Telefon. Eine dunkle, weibliche Stimme mit fremden Akzent fragt ob er wisse wer sie denn sei. Alles Raten ist zwecklos, zu unglaublich das alles zu erdenken. Denn es stellt sich heraus das hier Pierina, die jüngere Schwester der damaligen grossen Liebe Augusta, am anderen Ende der Leitung ist. Als würde sich ein Fenster öffnen das über ein halbes Jahrhundert verschlossen war. Über den Fortgang dieser Geschichte hoffe ich bald weiterlesen zu dürfen.

So sehr ich das Internet und Weblogs im Speziellen erforscht habe und geglaubt habe zu verstehen, habe ich erst jetzt mit ihm erlebt was alles entstehen kann wenn man sich authentisch mitteilt und die technologischen Möglichkeiten die einem heute geboten werden vorbehaltlos nutzt. Meine grösste Freude ist es mitzuerleben wie viel Spass es ihm macht und wie das seine eigene Lebensfreude unterstützt.

Vielleicht waren wir nicht immer füreinander da wenn wir es gebraucht hätten, aber dort wo sich unsere beiden Lebenslinien berührt haben sind immer die wesentlichen Bausteine meines Lebens gewachsen. Allein dafür gilt ihm der grösste Dank dem man seinem Vater gegenüber aussprechen kann. Und auch dafür zu allem eine Meinung zu vertreten.

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