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Gedanken

1. Mai

1. Mai 2007

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Im Nachmittagsprogramm von 3sat zum 1.Mai präsentierte man einen Live-Mitschnitt einer Bruce Springsteen Session aus der ehemaligen Kirche St.Luke’s in London. Ganz aussergewöhnlich guter Folk mit bekannten Titeln wie John Henry, My Oklahoma Home und vor allem We Shall Overcome. und richtig zum Weltfeiertag der Arbeit: Pay Me My Money Down ! Hat der Seele gut getan und wirklich gefallen.

Bolognese-1

27. April 2007

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Ich kann durchaus verstehen, das es nicht jedermann interessiert, was der kleine Soldat auf dem Weg in den großen Krieg alles erlebte. Ich werde auch sicherlich nicht über das ganze Hin und Her berichten, aber ein paar Episödchen sind es meiner bescheidenen Meinung nach wert, dass man sich ihrer entsinnt. Um auch jenen, die damals noch nicht ihre Nase in die Welt gereckt hatten ein wenig von der Zeit in der man lebte und von den Gefühlen die man dabei hatte, zu erzählen mach ich einen- sehr kurzen- Rundblick von meinem Standpunkt aus. Wir sind also jetzt in Bologna am Ende der Eisenbahnfahrt. Eine Weiterfahrt sei nicht möglich, denn die Strecke wäre zerbombt und wir müssten auf die Reparatur warten. Das heißt, dass von hier bis an die Front, die damals langsam durch Umbrien und die Toscana herauf auf den Apennin zurollte keine heile Eisenbahnlinie mehr in Betrieb war. Gerade waren die Alliierten in Rom eingezogen. Seit die Alliierten in Italien gelandet waren konnten sie nun von ihrer Basis in Foggia aus, auch Wien aus der Luft angreifen, so dass es nunmehr keine deutsche Stadt mehr gab, die nicht unter Luftangriffen zu leiden hatte. Im Osten war nach der Sommeroffensive der Sowjets der Mittelabschnitt zusammengebrochen und die Katastrophe war noch vernichtender als die in Stalingrad. Der ganze Balkan war ein Partisanenmeer und wie die Soldaten aus der Ägäis wieder nach Hause kommen sollten war ein offenes Rätsel. Dazu war man ständig auf die Landung der Alliierten in Frankreich gefasst. Hitler schickte die V-Waffe nach London und die Parteibonzen trompeteten vom Endsieg. Hinter jedem zweiten Gespräch klang der Wunsch durch, doch dem beschissenen Krieg endlich ein Ende zu bereiten und die Hoffnung der zu erwartenden Katastrophe zu entkommen. Die Stimmung der Soldaten war auf dem Nullpunkt gesunken. Es sollte aber noch schlimmer kommen- obwohl sich das kaum einer vorstellen konnte.

Zurück zu uns: Wir waren 4 Scharfschützen und waren in der Zeit in der wir zusammenwaren schon recht gute Freunde geworden. Besonders mit dem Jelinek-Franzi verstand ich mich sehr gut. Er war aus einem Gemeindebau in der Linzerstrasse. Wir sollten-bis auf weiteres- in einer Kaserne der italienischen Armee Quartier nehmen. Da trafen wir dann unsere “Bundesgenossen”. Das Urteil war schnell gefällt. Von weitem war bereits zu erkennen, dass wir mit dieser Hilfe den Krieg sicher nicht gewinnen konnten, denn die waren ja noch weniger als wir gewillt, den Kopf hinzuhalten. Wofür auch. Aber es hatte den Vorteil, dass ich mich bereits mit den wichtigsten Worten der fremden Sprache beschäftigte. Die Kaserne in Bologna war genau so hässlich, wie die Kasernen die ich bei uns kennengelernt hatte. Es gab einen Platz, wo man schlafen konnte- es gab eine Küche, wo man zu essen bekam. Aber eine Besonderheit hatte die Itaka-Kaserne doch. Die lernte man aber erst kennen, wenn man das Gegessene erst einmal loswerden musste. Am Ende eines langen Ganges waren dazu zwei Türen an jedem Ende. Trat man durch diese hindurch, dann riss der an mitteleuropäische Bequemlichkeit gewöhnte Bedürftige erst einmal die Augen auf, bevor er die Hose herunterriss. In einer verfliesten Mulde waren nur zwei erhabene Trittsteine und dazwischen ein Loch. Es kostete geraume Zeit und Übung, bis man sich mit dieser Form der Entleerung abfinden konnte.

Sonst gab es nichts zu tun, also auf in die Stadt. Wir strandelten durch die engen Gassen der Altstadt, besuchten während eines Fliegeralarmes einen wunderschönen Park auf einem Hügel. Sonst nichts. Und was tun Soldaten, wenn ihnen fad ist? Richtig! Sie gehen ins Puff! Nun war ich zwar nicht mehr ganz unbeleckt von den Erfahrungen der Liebe, hatte ich doch ein Mädchen in Wien zurückgelassen. Aber die käufliche Liebe war doch noch ein Fremdwort für mich. Gewiss war bei den Soldatengesprächen immer wieder davon die Rede gewesen, aber so hautnah war ich doch noch nie dran gewesen- Ich hatte weder Zeit noch Geld dafür. Beides war aber nun vorhanden, denn unser Wehrsold war in Lire ausbezahlt worden und Zeit– och, da hatten wir genug davon. Für mich kam dann noch dazu, dass ich mit meinen kaum 19 Jahren ja noch eine Menge kennenzulernen hatte. Und noch dazu, wo ich doch auf dem Weg in den Krieg war. Und da sollte es ja eine Menge geben, die gar nicht bis dorthin gekommen waren, sondern schon auf dem Weg dorthin ins Gras gebissen hatten. Und ohne eine solche Erfahrung, nein das ging nicht, das konnte ich nicht ungenutzt vorübergehen lassen. Ehrlich gesagt, allein und aus eigenen Antrieb wäre ich nie dahin gegangen. Also rottete sich eines späten Nachmittags eine Runde zusammen- viele ältere Soldaten dabei, die auch eine Menge Erfahrung anzubieten hatten. Und die wussten natürlich den Weg, zu einem solchen Etablissement. Vor der engen, dunklen Treppe zögerte ich noch. “Du brauchst nichts zu tun, nur zum Zuschauen!”

Der Versucher siegte. Ich stieg hinauf und sah zu. Zwei relativ junge Italienerinnen bemühten sich zuerst umeinander, dann um einen älteren Herren. Ohne Erfolg. “Du müde!” und dann gaben sie es auf. Für mich war diese Erfahrung so nachhaltig, dass ich nie in meinem Leben noch einmal der Versuchung unterlegen bin.

Weiter geht es in Bolognese-2

Adresse

24. April 2007

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BZÖ nennt sich eine im österreichischen Parlament vertretene politische Partei. Sie ist im Augenblick nicht besonders stark vertreten, denn sonst würde sie noch ein wenig unangenehmer auf sich aufmerksam machen.

Wenn ich mir vorstelle, dass ein Integrationsminister, der dieser Partei angehört eines fernen Tages anordnen könnte, dass alle Postsendungen aus dem Ausland, die als Adresse “Vienna” oder “Vienne” oder vielleicht “Becs”, tragen an den Absender zurückgesendet werden und dies mit der Bemerkung täte, dass unsere Bundeshauptstadt weder dem United Kingdom noch der französischen Republik angehöre und dass die österreichisch-ungarische Monarchie schon lange in der Vergangenheit versunken wäre, die Adresse also unzulänglich wäre, da die angegebenen Orte nicht in der Bundesrepublik Österreich lägen….

Ja, wenn ich mir das vorstellte, da müsste ich schon denken, dass soviel Weltoffenheit eigentlich kaum auszuhalten sind. Die Partei nennt sich voll ausgeschrieben: Bund Zukunft Österreich

An den Adressen kann man es erkennen!

Trostlos

24. April 2007

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erscheint nach meinem Hinscheiden die Zukunft meiner armen Seele!

Haben doch höchste vatikanische Stellen kundgetan, dass es in Hinkunft kein Fegefeuer mehr gibt.

Man bedenke doch! Ich weiß, dass ich den Himmel nicht für mich beanspruchen werde können. Denn da wären ein paar dunkelgraue Punkte in einer schon recht lange zurückliegenden Vergangenheit. An die sich manche von den Betroffenen schon gar nicht mehr erinnern können. Zumal manche schon nicht mehr unter uns weilen, also kein Zeugnis mehr ablegen können. Aber ich- ich weiß noch davon und im himmlischen Verzeichnis ist sicherlich eine Eintragung vorhanden. Und da hilft alles nichts. Mit dem Himmel wird es nix. Da war ich nicht gut genug dazu.

Aber die Hölle!!!! Also so mies war ich wieder auch nicht, denn da gehört schon eine große Portion Niedertracht dazu und es gibt doch ein paar glühende Kohlen, die sich auf meinen betrübten Haupte sammeln. So ein Mistkerl war ich doch wieder auch nicht, dass ich die ganze ewige Seligkeit in der Hölle braten solle. Es gibt doch auch ein paar gute Freunde die für mich ein Wort bei der himmlischen Buchhaltung einlegen könnten. Man könnte sich zwar vorstellen, dass es dort die irdische Freunderlwirtschaft nicht gibt, aber was weiß man schon von da drüben- ist doch noch kein Journalist von dort zurückgekommen.

Also was blieb da noch? Das FEGEFEUER!

Es war die Hoffnung der Mittelmäßigen, der Schwankenden und Unzulänglichen. Es war das Licht am Ende der irdischen Beschwernisse. Denn was sollte so ein Menschlein im Dickicht der Gerechtigkeiten, die kaum ein Recht sind, wie sollte er durch die Mühlen der Gesetzlichkeiten, die ihm zum Leben zu wenig ließen um ein wirklich Guter zu werden. Wie sollte er an den Ecken und Kanten des Lebens vorbei kommen ohne ein wenig schlitzohrig zu sein und wie sollte man… aber ich kann da nicht alle Tricks verraten mit denen man sich über Wasser hält. Das Finanzamt habe ich Gott sei Dank schon hinter mir- es ist schon verjährt.

Ich will ja auch nicht jammern- aber ehrlich: Wohin mit mir im Jenseits? Es blieb doch logischerweise nur das FEGEFEUER. Und das hat man uns nun auch genommen.

Könnt ihr Eminenzen nicht wieder eines anzünden? Hee—- ein ganz kleines nur—für ein Menschlein!

Für mich!

OTTO

29. März 2007

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Es war Ende Juli-Sommer! Bergsteigersommer sogar, denn ich war auf dem Karnischen Höhenweg unterwegs. Es wäre mein 9. Wandertag geworden und ich hatte nach einem langen Abend mit dem Besitzer des Plöckenhauses und dem Almer von der Tschintemunt-Alm gut geschlafen. Mein Plan sah vor, von der italienischen Seite her um die Hohe Warte herum zum Wolayersee zu gehen. Aber ich war so nachdrücklich auf die Friedenswege auf dem kleinen Pal hingewiesen worden, dass ich beschloss einen Tag einzuschieben und mir die Arbeit der DOLOMITENFREUNDE anzusehen. Der Chef des Hauses, der damals trotz seines hohen Alters noch immer Führungen veranstaltete, sagte zwar, dass diese Woche keine Führung sei, aber er traue mir ohne weiters zu, dass ich auch allein zurecht käme. Das Tourenbuch wörtlich im Original:

9.Tag Kleiner Pal 1867m Mo 30.7

Es war selbstverständlich, dass ich diesen Berg bestieg, der im ersten Krieg eine so große Rolle gespielt hatte…..stand für mich fest, auf eigene Faust hinaufzugehen. Im Foyer des Hauses stand ein Modell der MG-Nase, im Frühstückzimmer waren alle Wände mit Fotografien und einer alten Frontkarte vollgehängt. Der Vater des Seniors dürfte einer der Organisatoren der ersten Stunde des Krieges gewesen zu sein. Also rauf! Nachts war es sehr feucht und der mit dichter Vegetation bestandene Aufstieg brachte mich schon recht ins Schwitzen. Die MG-Nase stellte sich als vollkommen rekonstruiert heraus. Die MG-Scharten waren mit Stahlschilden und Schubern abgeschlossen. …Endlich war ich aus der Vegetation heraus und es geht dann ein kleines Lüfterl. Sofort fallen grosse Kaverneneingänge auf. Sie waren dem Cellon zugewandt und mussten nach dem Verlust des Cellon-Gipfels aufgegeben werden. Die Westseite dieser Rippe sah aus wie Käse mit Löchern…. Oben dann in einer Mulde ein verschlossenes Zelt. Gegen Süd eine unübersichtliche Hochfläche. Nach ca 200 m eine Felsbarriere mit erkennbaren Stellungsresten. Nach N zu ist die Kopfstation der Materialseilbahn zu sehen. Nach O zu gelbe Markierungstafeln am Fels. Die Leute an der Seilbahn sind nicht gesprächsbereit und ich benutze den Hinweis zu einem Stollen…. Ich will aber hinauf und benutze den Klettersteig der durch einen geschützten Laufgraben zu einer Sappe führt. Von einem Paar, das mich überholt erfahre ich, dass der Abstieg ins Angerbachtal leichter ist als der Landsturmweg, den ich als Abstieg ins Auge gefasst habe. Und von einer Edelweißwiese- aber der Zugang wäre schwierig. ( Ein Edelweiß holte ich mir trotzdem ). Ich bin in dem nun folgenden Stellungsgewirr, das teils gemauert, teils in den Fels gesprengt, ist bald zuhause. Das was ich sehe ist bedrückend genug. Die hier Sommer und Winter ineinander verkrallten Männer mussten ja psychisch durchdrehen. Oft auf Wurfweite liegen die Stellungen einander gegenüber. Kärgliche Vegetation hat die Trichterfelder ein wenig zugedeckt und ihnen ein wenig das Grauen genommen…..die vordersten Sappen (trincea) waren nur 25 m voneinander entfernt. Die gegenseitigen Haupt-(Riegel)Stellungen 120-150 m mit gedeckten Laufgängen, Stahlschilden und Schießscharten…Grauenhaft!

Soweit mein Tourenbuch! Ich steige aus dem Laufgraben heraus, finde einen geeigneten Sitzstein und schau mich um. Gegenüber- etwas überhöht die italienische Hauptstellung Trincerone hinter einem Gewirr aus Stacheldraht und Granattrichtern. Das ungarisch-italienisch-deutsche Gespräch hinter und unter mir hatte aufgehört und die Freiwilligen machten wohlverdiente Mittagrast. Da sieht mich einer sitzen, klettert vom Laufgang heraus und setzt sich neben mich hin. Sein Hemd ist verschwitzt, er riecht auch so und an seinem Unterarm hat er eine verkrustete Verletzung. Und Mörtelspritzer auf der Hose. Minutenlang sagt er kein Wort, denn er spürt meine Ergriffenheit. Dann sagt er genau, das was auch ich empfinde:”Dass ma des aushalten hat kennen” Ich nicke nur und mache “Mhm”. Und nach einer Weile: “Summer gehts ja no, aber in Winter” Er: “Die armen Hund”

Ich:”Bist aus Bayern?”

Er nickt:”Und du?”

“I bin a Weaner!” Anerkennendes Aufblitzen in seinen Augen.
“Mogst an Schluck?” Er hält mir die Feldflasche hin aus der er getrunken hat.

“Dank schen. Du brauchst es notwendiger. Ich hob no gnua.”

Er hält mir die Pratzen hin. ” I bin der Otto.”

Ich nehm die Hand. Ein fester Händedruck. “Und i haß Walter!”

Ich:”Guat, dass ihr des da machts! Nur kan Kriag mehr”

Er: Vielleicht hilfts!

Ich war schon drüben beim Trincerone und sah zurück. Er saß noch auf dem Stein und sah mir nach. Langsam hob er die Hand und grüßte mit dem Salut. Es war der Gruß eines Friedensarbeiters.

Es war etwa 5 Jahre später und ich hatte vor einiger Zeit schon Ingeborg schätzen und lieben gelernt. Da rief sie mich eines Tages an: “Du- mein Cousin aus Bayern ist in Wien und er möchte gerne zum Heurigen gehen. Und ausserdem will er Dich kennenlernen. Bist Du dabei?”-”No Natürlich”

Also auf zum Heurigen. Und wer sitzt da neben Ingeborg? Der Otto vom kleinen Pal!

Klar, dass wir von der ersten Minute an Freunde waren.

DOLOMITENFREUNDE eben!

Via della Pace

28. März 2007

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Aus dem Büchlein:”HURRA ICH LEBE NOCH”
von Otto Birke

Via delle Pace! Wege für den Frieden!

10 Jahre begleiten mich nun diese Worte schon, von den Dolomiten bis zu den Karnischen Alpen.

1973 entstand bei einer Gruppe die Idee, einen Teil des gewaltigen Wegenetzes zwischen Ortler und Isonzo wo 1915-1918 ein blutiger Krieg herrschte, wieder begehbar zu machen. Sie wollten den Besuchern die Sinnlosigkeit des Krieges vor Augen führen und die Einsicht erwecken, dass Kriege kein Mittel zur Austragung neuer Konflikte sein dürfen.

Unterdessen beteiligen sich Frauen und Männer aus 15 Nationen an dieser Aktion. Sie opfern ihren Urlaub und arbeiten unentgeltlich an dieser Sache.

Es war ein Zeitungsbericht, der mein Interesse weckte und -spontan wie ich bin- war ich eine Woche später am Monte Piano, auf dessen Hochplateau die erste Baustelle lag. Einen Monat später war ich Mitglied der DOLOMITENFREUNDE Und rackerte schon fleißig mit.

Wie ein roter Faden zieht sich seither diese Sache durch mein Leben und ich möchte keine Stunde missen, die ich in der herrlichen Bergwelt und meinen Freunden verbringen durfte.
Dabei war ich alles andere als schwindelfrei und sah jedes Gipfelkreuz als Rettungsanker an. Das hatte ich auch bei meiner Bewerbung vermerkt, aber es muss wohl in Vergessenheit geraten sein, denn meine erste Arbeit war, aus der Nordwand Schnee für den Koch zu holen. Als ich an der Kante stand und herunter sah, fing irgend etwas zum Klappern an und ich war mir nicht sicher, ob es die Schaufel im Kübel oder meine Zähne waren. Aber ich holte den Schnee und von da ab fing ich an, mein Schwindelgefühl zu besiegen, konnte später sogar zu Arbeiten an ausgesetzten Stellen herangezogen werden.

Eine Angst ist mir aber bis heute geblieben und die kommt, wenn sich ein Gewitter nähert. Da oben in 2300 m Höhe wochenlang im Zelt zu leben, ist eine romantische Sache, wenn sich aber furchtbare Gewitter gerade über selbigen austoben, sterbe ich hundert Tode.

Die italienischen Alpini-Soldaten im Nachbarzelt hörten wohl meine Stoßgebete und brachten mir zur Beruhigung Schnaps. Das Gesöff nennt sich Grappa und ist als Marschverpflegung in kleine Plastikbeutel abgepackt. 1 Blitz, 1 Grappa- in dieser Menge nahm ich meine Medizin ein und die Wirkung war betäubend.

Nun dachten die Alpini ich sei ein Fan dieses atemberaubenden Getränkes, holten sofort Nachschub in der Kaserne und dehnten ihr Samaritertum auch auf gewitterlose Stunden aus.

So wurde aus mir der “Grappa-Otto” und dieses Markenzeichen ist dank der Mitarbeiter aus 15 Nationen schon ziemlich weit herum gekommen.Auch der damalige Bundespräsident von Österreich mußte es erfahren haben, merkte ich anläßlich eines Empfanges und das hat mich doch etwas schöckiert.

Einen Tag lang arbeitete der rotchinesische Luftwaffen-Attache auf meiner Baustelle. Er verehrte mir als Abschiedsgeschenk eine Flasche chinesischen Branntwein mit den Worten:

“ALLES GUTE FÜR MISTEL GLAPPEL OTTEL: DASS EL KEIN ANGST MEL HABEN BLAUCHT VOL GEWITTEL”

Ein Kerzenlicht

28. März 2007

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Gestern nacht flackerte eine Kerze in meiner Stube. Sie flackerte zum Gedenken an einen Geburtstag und einen Todestag. sie sollte mich an einen der ungewöhnlichsten Menschen erinnern, die ich je kennengelernt hatte. Leider wurde mir diese Gnade erst spät gewährt.

Am 28. März 1933 wurde Otto Alfred Maria Birke geboren und das geschah in Braunau- nein nicht in jenem am Inn, sondern in einem kleinen Städtchen am Ostausläufer des Riesengebirges. Dort wo Böhmen schon fast nach Schlesien hinüberschaut und wo die Menschen einen Dialekt sprechen, den man hierzulande kaum versteht.

Er teilte das Geschick mit den vielen, die seine Sprache sprachen. 1946 wurde er ausgesiedelt. Seine Familie kam nach Burghausen, einer schönen kleinen Stadt an der Salzach- unmittelbar an der österreichischen Grenze. Er hatte Glück im Unglück, denn in einem dort ansässigen Chemiewerk bekam er eine Lehrlingsausbildung als Schlosser. Und er blieb diesem Werk sein ganzes Leben bis zur Pensionierung verbunden, arbeitete dort als Mess- und Regelmechaniker das ganze liebe, lange Jahr lang, hielt seinem Werk die Treue.
Aber kaum gab es einen Funken Freizeit war der Otto nicht zu halten und war weg und sein Ziele waren weit gestreut und verteilten sich über ganz Europa und sogar ein bisserl drüber hinaus. 1953 hat er geheiratet und bald darauf gab es Nachwuchs. Ein Sohn und er hieß Uwe. Die Liste seiner Abenteuer- und Freizeitbeschäftigungen ist so umfangreich, dass ich sie meinen Lesern nicht zumute. Aber er hat uns selbst die schönste Erinnerung an ihn hinterlassen: Er hat in zwei Büchern über seine Erlebnisse berichtet und ich muss sagen- er war ein sehr guter Erzähler. 1965 gab es noch einmal Nachwuchs: Ein Töchterchen Alexandra war geboren. Wie Katharina seine Frau dieses Abenteuerleben verkraftet hat, verdient meine Bewunderung, denn sie trug diese Familie und nicht nur sie, sondern ganz gewiss auch ihn. Denn irgendwie blieb der Riesenlackel doch immer ein Kind.

Wie er es geschafft hat ohne Kenntnis einer Fremdsprache durch alle diese Länder zu kommen wird nur erklärlich, wenn man sich das offene, ehrliche Gesicht und die lächelnden Augen ins Gedächtnis ruft. Nach einem Schlaganfall wurde seine Beweglichkeit immer mehr eingeschränkt und das verkraftete er schlecht. Einen Tag vor seinem 72. Geburtstag hatte er genug und ging.

Ehrensache bei seiner Einsegnung zu sein, Ehrensache an seinem Grab zu stehen. Aber es war wohl halb Bayern das da den Friedhof von Burghausen zu klein werden ließ.

Wenn mich der Fährmann einst über den Fluss des Vergessens rudert, dann wirst Du am anderen Ufer stehen mitten unter den vielen Freunden Deines Lebens. Und Du wirst mir ein Glas reichen- es muss ja kein Grappa sein. Tiroler Roter schmeckt doch auch köstlich!

Pfiat Di, Otto, bis bald!

Sommerzeit

25. März 2007

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Da schrieb doch Judith in Felix Blog:>Was wäre, wenn unsere Urahnen die Zeit nicht definiert hätten?>
Ich glaub es blieb ihnen gar nix anderes über, denn sie mussten notgedrungen Beziehungen herstellen. Etwa so: Mir fallen die Augen zu- es wird finster. Mit knurrt der Magen-Zeit zum Frühstück, Mittagshitze-Zeit zu trinken. ich denke aus solchen elementaren Bezügen entstand das Bedürfnis die Zeit dazwischen in nützliche Einheiten zu unterteilen. Da gabs zuerst den Schatten des Stabes im Sand, dann die Sonnenuhr und jetzt haben wir eben den elektronischen Wecker.

Vor einigen Wochen wurde in unserem Hause wegen Reparaturen an der Hausstromleitung für einige Zeit der Strom abgestellt. Die Uhr meiner Stereoanlage blinkte nach Wiedereinschalten. Ich stellt die Uhr wieder ein. Nach einer Woche dasselbe Theater. Ich stellte die Uhr nicht wieder ein- ich ließ sie blinken. Ich konnte die ganze “Zeit” recht gut ohne Zeit leben, indem ich mich auf die Bedürfnisse meiner Urahnen reduzierte. Eh schon wissen: Finster-schlafen! Licht-Hunger usw. Ich konnte recht gut damit leben. Nur wenn ich auf die Anlage, sah dann bleckte mit der “Wecker” im Herzschlagrythmus immer wieder an. Heute hab ich es nicht mehr ausgehalten. Ist ja heute wieder eine neue Zeit. Sommerzeit. Und schon wieder eine Stunde um. Ja- recht hast Du Judith! Rot ist die Zeit! Und ich kicher vor mich hin, wenn man mir sagt: Lass Dir Zeit, Opa! Hi, hi, hi—ich hab doch gar keine Zeit!

Ausgekommen!!!

24. März 2007

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Der kleine Soldat war eigentlich kein ganz kleiner. Im Gegenteil. Manche meinten, er wäre ein langer Lulatsch. Und eigentlich zu Grösserem geeignet. Er ist auch jetzt noch überdurchschnittlich groß. Wenn auch schon etwas eingegangen, denn der scharfe Zahn der Zeit ließ ihn schrumpfen. Damals allerdings war er noch schlank und rank. Und er erinnert sich:

” Ja hast Du denn gedacht ausgerechnet unser Bub kommt denen aus?” So sagte mein Vater zu meiner Mutter. Sie war schreckensbleich geworden, als ich meinen Eltern den an mich gerichteten “Blauen Brief” überreicht hatte. Er enthielt den Einberufungsbefehl zum”Reichsarbeitsdienst”. Zur Illustration der Lage zu Neujahr 1943: Rommels Afrikakorps hatte eine vernichtende Niederlage bei El Alamein erlitten und befand sich auf der Flucht nach Tunesien und die lange schon vernichtete Sowjetarmee war wiedererstanden und hatte die Deutsche 6. Armee in Stalingrad eingeschlossen. Die gesamte zerfetzte Südfront rollte zurück. Kein Zweifel- 2 Armeen kaputt- der “Führer” schrie nach Soldaten. Und der RAD war ja bereits die Vorstufe dazu. Da lernten junge Menschen Disziplin und Ordnung, machten sogar noch nützliche Arbeit. Vor allem aber lernten sie gegebenen Befehlen zu gehorchen , wurden willige Werkzeuge der Machthaber. Mir war das natürlich überhaupt nicht recht, wurde ich doch aus der grade begonnenen Ausbildung herausgerissen. Aber wer fragte damals schon nach so einer Lapallie, wo doch das deutsche Volk seinen Schicksalskampf führte.

Mit reichlich gemischten Gefühlen folgte ich also dem Einberufungsbefehl. Am Wiener Nordbahnhof wurde ich in einen Zug gesetzt, der mich nach Gmünd brachte. Dort hiess es aussteigen und ein unifomierter Arbeitsdienst-Unterführer sammelte nach einer Liste die angekommene Mannschaft und verfrachtete uns in ein Schmalspurbähnle. Es gibt heute noch in Gmünd eine solche Schmalspurbahn. Aber sie fährt in die andere Richtung- nach Weitra und Groß-Gerungs. Jene Bahn mit der ich damals weiterfuhr existiert schon lange nicht mehr. Sie wurde bald nach dem Krieg aufgelassen. Sie führte über Litschau in den südböhmischen Ort Neubistritz. Wir bekamen einen Güterwaggon zugewiesen in dem schon ein Arbeitsdienstmann Dienst machte. Einrichtung gab es keine, ausser niedere Holzraste auf denen wir uns mitsamt Gepäck niederliessen. In der Mitte des Waggons aber war ein kleines Kanonenöfchen, das wunderbar bullerte. Das war auch notwendig, denn es war bitterkalt. Kein Wunder, dass wir sehr darauf achteten, dass das kleine Öfchen immer genügend Nahrung erhielt. Wir froren trotzdem genug bis wir nach langer Rumpelei in Neubistritz anlangten. In langer Reihe marschierten wir dann- noch ganz unmilitärisch- auf einem Sträßchen etwa 4 Kilometer weiter, bis an der linken Strassenseite etwas erhöht das RAD-Lager sichtbar wurde. Es dauerte nicht lange und aus dem zivilen Sauhaufen war ein funktionierendes Gebilde geworden. Kein Zweifel- das waren Profis. Die Unteroffiziere hiessen Truppführer und die Offiziere waren Feldmeister- oder so ähnlich und bereits nach einer Woche, klappte bereits Antreten zum Appell und das Exerzieren mit dem Spaten und die Stubenordnung und der Bettenbau und was weiss ich noch alles. Jeder der selbst so einen Zauber schon mitgemacht hat, weiss ohnehin wovon ich rede. Nach vier Wochen fand die Führung waren wir reif zum Gelöbnis und das kam einer Vereidigung recht nahe. Waren wir bisher eingesperrt, konnten wir danach in den Ort ausgehen, wenn dienstfrei und kamen nun auch zum Arbeitseinsatz im Aussendienst. Dazu bewegten wir uns per Rad zur Arbeitsstelle. Na das war was für meines Vaters Sohn. Ich zum allererstenmal auf einem Fahrrad- und dazu mit einem Spaten in der Hand!!! Ich habe damals sicherlich meinen damaligen Kameraden viel Gelegenheit zum Lachen gegeben- unfreiwillig natürlich. Wir bauten befestigte Forststrassen in den riesigen Forsten zwischen Schamers und Neuhaus. Heute heisst die kleine Stadt Jindrichov Hradec. Ich weiss heute noch genau welche Arbeitsgänge nötig waren um aus grundlosen Fahrrillen einen ordentlichen Forstweg werden zu lassen. Sag mir keiner, das wäre zu nichts nütze gewesen- nur ich habe keinen Forstweg mehr gebaut.

Soweit so gut- Ich schrieb nach Hause, bekam ein par Sachen geschickt- darunter Rasierzeug, denn auf Geheiss meiner Obrigkeit musste ich mir die paar Bartsprossen abschaben. Ich bekam auch Besuch. Meine Mutter erwartete mich in Neubistritz in der Konditorei. Oh Wunder, sie hatte sogar mein Mädchen mitgebracht und das obwohl sie sich mit Händen und Füssen gegen eine Verbindung mit ihr gewehrt hatte. Das war damals möglich, denn Neubistritz gehörte damals zum Reichsgau Oberdonau- Österreich durfte man ja nicht mehr sagen also statt Oberösterreich eben Oberdonau. Der Jammer an der ganzen Sache war der: Ich bin kein ordentlicher Mensch geworden. Denn immer wieder fand der kontrollierende Truppführer , dass meine Decke nicht richtig gefaltet war, dass meine Unterhosen falsch im Spind lagen oder dass mein Zahnputzbecher schlecht ausgewaschen war. Dafür gab es den sogenannten Stubenarrest- gleichbedeutend damit, dass man ein Wochenende lang den Putztrottel für die Stube machen musste. Das geschah mir ziemlich häufig und trotzdem war ich in meiner Stube recht beliebt. Warum kann ich eigentlich heute nicht mehr sagen. Anfang Februar war es dann soweit. Stalingrad stellte den Widerstand ein und kapitulierte. Ich hatte am nächsten Tag Torwache und was war die Parole? Richtig! Stalingrad war die Parole.

Es waren drei Monate vorgesehen zur Ausbildung als Arbeitsmann. Danach sollte die Entlassung erfolgen und kurz darauf die Einberufung zur Wehrmacht. Es waren nur mehr zwei Wochen bis dahin und da waren im Lager Hutz und Putz angesagt. Alles sollte am Schnürchen klappen- also mühte man sich. Erwartet hatten wir eine höhere Arbeitsdienstkontrolle. Die war auch da. ABER IN BEGLEITUNG EINES SS-FÜHRERS. Am Abend vorher wurde ich zu einem Obertruppführer in sein Zimmer befohlen. Er fragte mich ob ich etwas gegen eine Weiterverwendung als Arbeitsdienst Unterführer hätte. Ich sagte schweren Herzens zu, denn das bedeutete sicher irgendwohin auf einen Lehrgang versetzt zu werden. Und dann kam die SS! Und als der schwarze Totenkopfmann durch die Reihen ging sah er mit Wohlgefallen auf den langen Lulatsch. Den Ersten im ersten Glied. Den hätten wir gern- meinte er. Aber da war der Obertruppführer Polisenski da und hob abwehrend die Hand: Der Mann ist zum Truppführerlehrgang abzustellen. Ich kann mir vorstellen, dass der Totenkopf geknurrt hat. Kein Mensch mehr hat was von Truppführerschule von mir gewollt. Ich fuhr nach Hause wie geplant. Vater schlug die Hände über dem Kopf zusammen:”Hast du ein Massel ghabt Bua!” Klar- gerne hätte er mich wirklich nicht gesehen als SS-Mann.

Aus dem Kriegstagebuch des Oberkommandos der Wehrmacht vom 6.Januar 1943:
…Weiter wird die Sicherstellung des Ersatzes für die vom Führer angeordnete Aufstellung von 2 neuen SS-Divisionen befohlen…Hierzu solen 27 000 Mann des Geb.-Jg 25 durch Werbung im RAD gewonnen werden… Der Reichsarbeitsführer wird um Mithilfe bei der Werbung des Geb.Jg 25 gebeten.

Ich glaube, nachdem ich dies viele Jahre später gelesen habe- der Obertruppführer Polisenski hatte was gegen den Reichsarbeisführer- oder gegen die SS.

O bella Italia!

20. März 2007

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Ganz unmöglich ist es ja nicht, dass sich jemand für das Weiterleben jenes jungen Soldaten interessiert, der da mit soviel Glück -zumindest vorläufig- dem unerbittlichen, hassvollen Ringen im Osten entronnen war. In “Ein Schritt vorwärts” hatte ich bereits angedeutet, dass seine Marschorder nach Payerbach gerichtet war. Vorher aber musste er “feldmarschmässig” ausgerüstet werden und das geschah in Wien in der Rossauerkaserne. Es war wohl selbstverständlich, dass der Soldat bei seinen Eltern vorbeischaute um sich zu verabschieden. Vater fuhr mit auf den Südbahnhof. Er hatte verhindert, dass Mutter mitfuhr und sie angefahren:” Mochs dem Buam net no schwerer! Bleib do!” Und sie gehorchte ihm. Als ich ging sass sie in der kleinen Küche und hatte ein Nackedeibild von mir vor den verweinten Augen. “Gemma!” sagte Vater barsch und sie tat mir ungeheuer leid. Auf der Fahrt mit dem 18er zum Südbahnhof sprachen wir gar nichts. Vater war kein grosser Redner, aber wenn er was sagte, dann hatte das Gewicht. Es war ein langer Zug, voll mit hauptsächlich Soldaten und ich hatte mein Abteil ganz weit draussen ausserhalb der Halle. Ich hatte mein Gepäck hineingeworfen und trat ihm noch einmal gegenüber. Wir waren gleich gross und sahen uns in die Augen. Gar nicht als Vater und Sohn, sondern von Mann zu Mann. Dann legte sich seine Hand auf meine Schulter, die schwere Arbeiterhand. Eine Hand, die mich wohl gestraft und nie- wirklich nie?- gestreichelt hat. Ihr Druck wurde fast unerträglich und da war wieder der Vater in seinen Augen:”Kumm zruck Bua.” Und nach einer Weile, fast verzweifelt:” Wurscht wia!” Dann liess er mich los und ging. Nach ein paar Schritten drehte er sich um und hob die Hand zum Abschied.

Es stellte sich heraus, dass meine Reisegenossen im Abteil das gleiche Ziel wie ich hatten: Das Ausrüstungslager für Scharfschützen. Dort erhielten wir alle die Dinge, die man eben als Scharfschütze so notwendig braucht. Und das waren ein Zielfernrohr, das dazu gehörende noch zu justierende Gewehr, ein Fernglas und Tarnmaterial. Glück zum Überleben konnte man leider nicht ausfassen. Nach Erledigung all dieser Dinge stand der Verwendung als zukünftiges Kanonenfutter nichts mehr im Wege. Der neue Marschbefehl lautete Bahnhofskommandatur Bologna. Wir waren wieder beisammengeblieben und hatten uns schon recht angefreundet und sahen mit der Zuversicht junger Menschen der noch ungewissen Zukunft entgegen. Ich war zwar schon beim Arbeitsdienst in Südböhmen gewesen, dann in der Rekrutenzeit in Brünn, in Nikolsburg und dann wie schon erwähnt in Ungarisch Hradisch, aber so weit von zuhause fort war ich noch nie gewesen und dann noch Italien!! Vater kannte die ganze Donau, er war in der Schweiz und in Savoyen, aber Italien, das war schon was. Ich sah beim Vorbeifahren das breite Bett der Fella, wunderte mich über soviel Schotter und dann erst auf der Tagliamentobrücke. Die hatten ja mehr Schotter als Wasser. Die italienischen Zwangsarbeiter, die auf Urlaub heimfuhren sangen ein übers anderemal “Oh mia bella Napoli” und sonst noch was über Bella Italia und irgendwie konnte ich diese Leute verstehen. Sie fuhren nach Hause und plötzlich wurde mein Herz schwer, denn ich dachte daran ob ich wieder einmal den umgekehrten Weg fahren werde. Aber alles war vergessen, als ich dem Bahnhofoffizier in Bologna meinen Marschbefehl vorlegte. Von jetzt an war alles anders.