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Noch “Romagnolo 2″


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Ich hörte im letzten Beitrag unter diesem Titel dort auf, wo ich die Bewohner des Hauses beschrieb, in dem wir die nächste, noch ungewiss lange Zeit verbringen sollten. Dem Frust der Langeweile unter dem Besatzer leiden, wirkten wir dadurch entgegen, dass wir uns immer intensiver mit unseren Gastgebern beschäftigten. Das begann damit, dass man einfache Worte der fremden Sprache zu erlernen suchte. Es war ja wichtig zu wissen was essen, schlafen, Hunger und Durst auf italienisch hießen . Und wo ist das Örtchen, um seine Notdurft zu verrichten. Langsam schwand die Abwehr aus den Gesichtern, man erkannte, dass auch wir Menschen waren, die gar nichts von diesem scheußlichen Krieg wissen wollten und wenn Babbo “guerra e brutta” sagte, dann stimmten wir von ganzem Herzen zu. Wir wiederum erkannten, wie schwer die Menschen hier darum kämpften ihr täglich Brot zu sichern und dass es nur die andere Sprache war, die uns voneinander trennte und dass sie demselben Bevölkerungskreis angehörten wie auch wir. Und das war ein Unterschied, den wir gerne überwinden wollten. Das Schöne war, dass auch bei unseren Hausbewohnern die gleiche Stimmung Platz gegriffen hatte und so war es bald ein eifriges Gestikulieren und Radebrechen von beiden Seiten. Viel half uns in der abendlichen Siesta das gemeinsame Fussballspiel das wir zuerst als Ländermatch betrieben, bald aber waren wir durcheinander, den die Ithaker waren ja damals Weltmeister und so wechselten wir uns ab. Was nicht heißen sollte, dass es nur die Burschen waren, denn der Wirbelwind Teresina war des öfteren mit dabei, wenn der Ball auf dem kleinen Platz zwischen Haus und Stadel rollte. Und piccola Pierina wurde bald auch unser Liebling und fand Platz auf dem Schoss der austriacchi. Bald sassen wir am Abend um das offene Feuer im Kamin, in dem in einem großen gusseisernen Topf die Minestrone bereitet wurde, sassen mit ihnen am Tisch, aßen die Pizza, die die Frauen zubereitet hatten, tranken den gewässerten Wein, die miscela. Und sassen dann noch lange zusammen. Man fragte uns aus, nach den Lebensumständen in der fernen Stadt. Wie wir dort lebten, was wir arbeiten und umgekehrt war es dasselbe. Es ergab sich, dass ich mich immer öfter an Augusta wandte und von ihr erfuhr ich sehr viele Worte und sie übte mit mir auch noch Grammatik und so vermochte ich bald nicht nur in der Nennwortform der Zeitworte zu sprechen, sondern z.B. “haben und sein” richtig zu konjugieren. Natürlich fragte mich Augusta auch über Persönliches aus und ich sagte ihr, dass ich verlobt sei, meine Eltern da aber etwas dagegen hätten. Natürlich zeigte ich ihr auch ein Bild des Mädchens. Jeder Soldat hat ja sowas bei sich.
Und sie sagte “Oh, bella ragazza”. Natürlich hatten wir auch viel Spass mit den Brüdern und bald fühlten wir uns wie zuhause. Diese Verbundenheit wurde noch dadurch gefestigt, dass wir begannen in unserer Freizeit mit Hand anzulegen, und bei der Feldarbeit zu helfen. Ich kann mich noch sehr gut erinnern, wie ich mit Augusta fagioli (Fisolen) geerntet habe und sie in einem Korb vom Feld zum Hof hinauf getragen habe. Am liebsten hatten wir es, wenn wir in der Pfirsichplantage zu tun hatten. Und es kann sein, dass mir die Erinnerung was vorgaukelt- aber ich habe nie bessere Pfirsiche gegessen als in S.Carlo. Schließlich waren wir auch noch dabei von dem kleinen, steinigen Acker den Weizen mit der Sichel zu ernten und auf dem Platz hinter dem Haus haben wir mit dem Dreschflegel zusammen mit den Nachbarn gedroschen.

Wen wundert es, dass ich mich zu Augusta sehr bald hingezogen fühlte. Sie war so ganz anders, als mein Mädchen zu Hause. Augusta war von einem herben Reiz, der mir bis dahin noch nie begegnet war. Wahrscheinlich deshalb, weil ich nur Stadtmädchen kannte und sie eben ein Bauernmädchen war, das harte Arbeit kannte. Zugegeben- ich war ja grad kein Frauenheld, aber dieses Mädchen!! Und ich glaube auch, dass Augusta gerne mit mir sprach, gerne in meiner Nähe war. Aber es verbot sich ja von selbst einen Schritt zu tun, der unter Umständen unheilvoll enden konnte. Italien war doch ein erzkatholisches Land und Mädchen mussten da ja noch unberührt in die Ehe gehen.Von ihr konnte ich also nicht erwarten, dass sie etwas in dieser Richtung tat und ich würde nichts tun, denn damals schon, war mir Freundschaft wichtiger als ein kurzes Vergnügen. Und so war ich also zwar in Augusta verliebt, aber es war so hoffnungslos und ich würde es nie offenbaren.Also blieben uns nur die Grammatikstunden. Aber das Wort amare konnte ich zwar konjugieren, aber io amo te sagte ich nie.
Gerne entsinne ich mich noch der Korrekturen in meiner Betonung, wenn ich ein Zeitwort falsch betonte. “Walteeeer, non pioveeeeere, mai dire piooooovere”. Natürlich machte ich das oft absichtlich, um ihren Widerspruch herauszufordern und wir lachten, dann ausgiebig darüber, denn sie hatte bald erkannt, dass ich nur zum Scherz falsch aussprach. Natürlich fiel die Zweisamkeit auch anderen auf. Meine Kameraden begannen mich zu necken: “Aha, schon wieder Augusta”. Und ich glaube auch den Brüdern und den Eltern entging nicht, dass wir beide- Augusta und ich- recht herzlich miteinander umgingen. Es kann sein, dass sie sich deswegen Sorgen machten. Und trotzdem erschraken wir, wenn unsere Hände sich zufällig begegneten und wir sahen uns verlegen an und Augustas gebräunte Wangen schimmerten verdächtig rot.
Wie weit wir das Vertrauen der Brüder bereits genossen zeigte uns nach einiger Zeit, dass sie uns offenbarten, was in der Kommandantur unserer Einheit auf dem Dienstplan stand. So sagten sie uns eines Abends, dass wir am nächsten Tag zu einer Suchaktion auszurücken hätten. Der Zweck wäre, Menschen zu fassen, die man nach Deutschland zwangsverpflichten wollte und die in der Kriegsindustrie arbeiten sollten. Und natürlich sollten wir auch Partisanen fangen. Wirklich waren wir tags darauf im Hügelgelände um Cesena unterwegs. Wir sahen aber keine Menschenseele, außer einem alten Ziegenhirten. Er bot uns von seinem Pecorino an und seither, weiß ich wie gut Ziegenkäse schmeckt. Klar, dass wir niemanden fanden, denn wenn Alfredo uns erzählte wo wir suchen sollten, dann wussten es doch die Italiener noch früher.

Wir lebten also in einer unwirklichen Zwischenwelt- gleich weit weg von der Gewohnheit der Heimat, des Elternhauses, der Schule, weit weg vom gestern und noch ebenso weit weg von einer ungewissen, verborgenen Zukunft bei der Truppe an der Front, die immer näher kam.

Ich kann mich noch erinnern an die Morgenappelle, bei denen wir informiert wurden über die Landung der Alliierten in der Normandie. Natürlich posaunte da der NSFO- der nationalsozialistische Fürungsoffiziert, der nach dem Vorbild der sowjetischen Kriegskommisare nun bei jeder Einheit Pflicht war- dass der Endsieg nun nahe sei, denn “jetzt würden die Feinde die Macht der Wehrmacht kennenlernen”. Wir dachten daran, dass der verdammte Krieg nun eher aus ist und dass es nur darauf ankam das Ende mitzuerleben. Und dann auch noch der Morgen als wir unterrichtet wurden, dass auf “den größten Führer aller Zeiten” ein gemeiner Mordanschlag verübt worden sei. Ich hörte mir die Hasstiraden an und betrauerte den Umstand, dass er missglückt war, denn nun war ein vernünftiges Ende dieses Krieges noch unmöglicher geworden. Einen Ausweg für mich sah ich leider nicht.

Wie lange wir in dieser unwirklichen Idylle gelebt haben, kann ich leider heute überhaupt nicht mehr sagen. Ich kann mich z. B. an keinen einzigen Regentag erinnern, wohl aber an die heißen Tage an denen wir hinuntergingen zum Savio. einem kleinen wasserarmen Flüsschen um zu baden. An einem Kolk war es sogar möglich, ein paar Armzüge zu schwimmen. Da waren wir meistens in Begleitung Teresinas und manchmal war auch Augusta dabei mit der kleinen Pierina. Von mir aus hätte ich dieses Leben nie verlassen müssen und ich konnte mir wohl vorstellen, dazubleiben. Mit Augusta natürlich. Ja, und dann war es eines Tages plötzlich zu Ende.

Wir waren grade vom Fluss zurückgekommen und aßen friedlich zu Abend. Dann baten uns die Burschen hinaus in den Hof und eröffnete uns, dass wir am nächsten Tag weg mussten. Die Einheit hatte ihren Einsatzbefehl bekommen und sollte ihren Zweck erfüllen- Ersatz für die abgekämpfte Division. Wir gingen hinauf in unsere Schlafstube um die paar Sachen zu packen. Spät am Abend setzte ich mich noch in den Hof um eine Zigarette zu rauchen. Un da kam Alfredo, setzte sich zu mir. Er schwieg lange. Ganz leise fragte er dann, ob ich mir vorstellen könnte, nicht mitzugehen an die Front. Dazubleiben, mich zu verstecken. Man würde mir Zivilkleider besorgen und für meine Unterkunft sorgen. Mir war bewusst, das war eine jener Stationen an denen sich ein Lebensweg entscheidet. Gehst du jetzt links oder rechts, nichts davon ist klar- alles liegt in einer ungewissen Zukunft verborgen. Blieb ich, dann musste ich damit rechnen eines Tages zu den Partisanen zu stoßen und vielleicht auf meine Kameraden schießen zu müssen. Das wollte ich eigentlich nicht. So weit war ich noch nicht. Wurde ich aber verraten- es gab immer einen der für 30 Silberlinge dazu bereit war- einen eventuellen Verehrer von Augusta zum Beispiel, oder ich wurde so gefasst, denn zuerst würde man mich sicher auf dem Hof der Silighini suchen, die kleine Pierina verplappert sich vielleicht, dann ist die ganze Familie zum Tode verurteilt, denn die Nazijustiz kannte keine Gnade für Leute die Deserteuren halfen. Ging ich an die Front, dann war das für alle Beteiligten sicherer. Nach langem Überlegen lehnte ich schließlich das Angebot Alfredos ab, schweren Herzens muss ich wohl dazu sagen. Ob es richtig war- oder falsch- wer vermag das heute zu sagen. Als wir am Morgen aus dem Hof schritten mit unserem Packen auf dem Buckel, stand nur Babbo in der Tür und sah uns traurig nach. Er hat mir später einmal gesagt, er hätte an diesem einen Tag drei Söhne auf einmal verloren.

Ein Mannschaftstransportwagen nahm uns auf und durch das belebte Saviotal fuhren wir südwärts in Richtung Vergeretho-Pass. Ins obere Tibertal und nach Umbrien hinüber, hinaus aus der schönen sonnigen und noch friedlichen Romagna. Wir wurden ins kalte Wasser geworfen. Wie es sich gehört, begannen wir zu strampeln. Noch war ich mit Franz und Herbert zusammen. Aber als wir am Bestimmungsort in der Nähe von Perugia ankamen wurden wir sofort getrennt. Jeder kam zu einem anderen Regiment. Klar- Scharfschützen jagen doch nicht rudelweise. Ich habe keinen von ihnen wieder gesehen. Franz soll angeblich gefallen sein und Herbert wurde in Ungarn als vermisst gemeldet. Von jetzt an strampelte ich allein durch die Welt.

4 Reaktionen zu “Noch “Romagnolo 2″”

  1. michael

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    bei einem unserer gemeinsamen urlaube, ich glau ich war irgendwie um 10 herum, hatte ich gelegenheit die familie kenne zu lernen, heute, mit dem wissen die zusammenhänge, bekommt die vergangenheit ein völlig neues gesicht. und die pfirsiche von besagter palntage habe ich auch als die schmackhaftesten auf diesem planeten in erinnerung.

    was bin ich froh dass du dich damals entschlossen hast kein italiener zu werden, gäbs mich doch dann gar nicht. meint meine kleine italienerin übrigens auch.

    hoffentlich gehts bald weiter!

  2. Birgit-Rita Reifferscheidt

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    Wenn ihr von dem Geschmack der Pfirsische erzählt, kann ich sie förmlich schmecken. Das Wasser läuft mir im Munde zusammen.
    Was mich jedoch am meisten beeindruckt ist, wie die Geschichte des Vaters sich in der Geschichte des Sohnes fortsetzt. An seinem “Scheideweg” hat der Sohn sich für die Italienerin entschieden, dieses Mal ist es in der Heimat Österreich passiert.
    Wie gut Walter, dass Du zurück gekommen bist. So konnte ich deinen Sohn kennenlernen.
    Wie gut Michael, dass du dich für die Italienerin entschieden hast, so konnte ich zurück in meine Heimat - Deutschland.
    Alles hat seinen Sinn, manchmal erst nach Jahrzehrzehnten.
    Wie gut Walter, dass du deine Geschichte erzählt, dadurch kommt in mir etwas zusammen.
    Ich freue mich auf Fortsetzungen.

  3. EINVOLL » WEBLOG » ARCHIV » Bloggen macht glücklich

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    […] Als Zeuge einer Zeit, die ich mir gar nicht mehr vorstellen kann, erlebe ich durch sein Schreiben die Geschichte aus erster Hand und nicht durch den Filter subjektiv gesteuerter Medienredaktionen. Obwohl ich vieles bereits aus seinen Erzählungen kannte, bekommt mein Vater und seine Gefühlswelt auf einmal ein Gesicht. Nie würde man hinter diesen Zeilen einen 83-jährigen vermuten. Vor allem schreibt er ohne Absicht, er tut es einfach. Und je mehr er schreibt desto weiter taucht er in die Vergangenheit zurück und stellt fest, dass man sich dafür interessiert. Er schreibt über seine Zeit als 19-jähriger Soldat in Italien, die Tatsache vor Augen in Bälde an der Front verheizt zu werden. Er beschreibt das Ressentiment der italienischen Gastfamilie und wie es sich mit der Erkenntnis im gleichen Boot zu sitzen langsam in Gastfreundschaft und Zuneigung wandelt. Und er erzählt von Augusta und der aufkeimenden Liebe zwischen den beiden die aber ohne jede Perspektive für die Zukunft scheint. Das Schreiben im Weblog aber auch die Reflektion der Kommentare auf seine Beiträge spornen ihn an noch weiter einzutauchen in die eigene Geschichte. Und plötzlich passiert etwas Unglaubliches: […]

  4. Bloggen macht glücklich « EINVOLL

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    […] Als Zeuge einer Zeit, die ich mir gar nicht mehr vorstellen kann, erlebe ich durch sein Schreiben die Geschichte aus erster Hand und nicht durch den Filter subjektiv gesteuerter Medienredaktionen. Obwohl ich vieles bereits aus seinen Erzählungen kannte, bekommt mein Vater und seine Gefühlswelt auf einmal ein Gesicht. Nie würde man hinter diesen Zeilen einen 83-jährigen vermuten. Vor allem schreibt er ohne Absicht, er tut es einfach. Und je mehr er schreibt desto weiter taucht er in die Vergangenheit zurück und stellt fest, dass man sich dafür interessiert. Er schreibt über seine Zeit als 19-jähriger Soldat in Italien, die Tatsache vor Augen in Bälde an der Front verheizt zu werden. Er beschreibt das Ressentiment der italienischen Gastfamilie und wie es sich mit der Erkenntnis im gleichen Boot zu sitzen langsam in Gastfreundschaft und Zuneigung wandelt. Und er erzählt von Augusta und der aufkeimenden Liebe zwischen den beiden die aber ohne jede Perspektive für die Zukunft scheint. Das Schreiben im Weblog aber auch die Reflektion der Kommentare auf seine Beiträge spornen ihn an noch weiter einzutauchen in die eigene Geschichte. Und plötzlich passiert etwas Unglaubliches: […]

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