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Sardinien


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Während meine Gefährtin Ingeborg jetzt eben im Flieger sitzt und nach Sardinien unterwegs ist und ich im Erlebnisbüchlein ihres Cousins OTTO BIRKE blättere, erweckt eine seiner Erzählungen meine Aufmerksamkeit. Ich gebe sie mit seinen eigenen Worten wieder.

BEI DEN HIRTEN AUF SARDINIEN

Sardinien, erlebt in einer Zeit wo die Ostküste noch urig war und ein gewisser Aga Khan an der Westküste die “Costa Smeralda” aufbaute. Ein Ghetto für Millionäre, wo man für eine Nacht leicht und locker 1000 DM verschlafen konnte. Der Name des Banditendorfes Orgosolo ging tagtäglich durch die Presse, Entführungen und Tote waren damals an der Tagesordnung. Übrigens hat das Gesetz der Vendetta ( Blutrache ) noch heute seine Gültigkeit. Das alles stachelte meine Abenteuerlust natürlich an, die ja bei mir immer nur auf einen auslösenden Moment wartet. Mein VW-Käfer mit dem geteilten Heckfenster ( lässt auf sein Alter schließen ), war schnell beladen. Ein altes Armeezelt ohne Boden, der Spirituskocher mit der blitzenden Messingkugel und ein alter Rucksack mit den unvermeidlichen Suppenbeuteln gefüllt, war die ganze Ausrüstung. Weitaus geringer war da schon die Füllung des Geldbeutels, der aussah als hätte er die Schwindsucht. So kam es, dass ich wegen der zu teuren Überfahrt meinen “Cadillac” im Hafen von Civitavecchia stehen lassen musste und aufgepackt als Sherpa des Mittelmeeres an Bord des Dampfers trabte. Der Sparaktion zweiter Teil war die Nichtbenutzung des Liegestuhlraumes. Eine Überfahrt auf Deck, eingewickelt in eine Zeltplane kann aber auch ganz romantisch sein. Der Hafen von Olbia war noch nicht zu sehen, als mir schon der süßliche Geruch der Macchia, den die Insel verströmte, in die Nase stieg und der mich auch wochenlang begleiten sollte. Dort angekommen stellte sich die Frage des Fortbewegungsmittels in den Vordergrund, denn für die Ausrüstung von damals, war das Wort “Perlon”- sprich “leicht”, ein Fremdwort. Zuerst dachte ich an ein Leihrad, konnte aber beim besten Willen keines auftreiben. Also entschied ich mich für das Hinterteil eines Leiterwagens. Dieses mit zwei langen Stangen versehen, ergab ein tolles Gefährt und aus dem Sherpa war ein Rikschamann geworden. Als solcher trabte ich los um Sardinien und seine Bewohner kennenzulernen, vorbei an Feldern mit Margariten und rotem Klatschmohn und den bizarren Gebilden aus Granit, die wie Bären und Elefanten aussehen.

Auf der Suche nach einem Zeltplatz lernte ich zwei Holländerinnen kennen, die aus Angst ihr Zelt in Dorfnähe aufgestellt hatten. Es waren Schwestern aus Amsterdam- so wie ich auf Abenteuertrip und hätten mit dem richtigen Käse in der Hand die beste Reklame für ihr Land abgegeben. Wir schlossen schnell Freundschaft und schmiedeten alsbald Pläne für ein gemeinsames Weitertrailen. Vorerst war aber da noch ein kleines Hindernis zu bewältigen, denn Eros in Uniform eines Polizisten namens Umberto, hatte sich vorgenommen, etwas von dem holländischen Käse zu naschen. Am nächsten Vormittag kam er mit seiner Maschine angebraust, “dienstlich” und in voller Uniform. Seine erste Amtshandlung war, im Zelt der Meisjes zu verschwinden, um alsbald in der Badehose wieder zu erscheinen. Babsi, so hieß eine davon, seufzte auf, verdrehte voller Entzücken ihre Kullerchen und entschwand mit dem Apollo in Richtung Strand. Wir Männer freundeten uns schnell an, er zeigte mir die essbaren Muscheln, erklärte mir, dass man die Seeigelweibchen von oben an den Steinchen erkennt, die eben nur sie auf dem Stachelpelz tragen und deren Eier man nach dem Aufschlagen essen kann. Ausserdem durfte ich mit seiner “Dienstmaschine” in den nächsten Ort fahren um Proviant einzukaufen. Dass er mir da Schwester Klara als Beifahrerin aufhalste war sicher einerseits als Pfand gedacht, dürfte aber andrerseits der Völkervereinigung Italien-Holland zugute gekommen sein.

Es war wirklich schwer,der Sache ein Ende zu bereiten, es kostete mich einen Daumennagel und bescherte seiner Babsi eine mächtige Beule. Schuld daran war aber nicht etwa eine Rauferei, sondern der Heimweg nach der Abschiedsfeier im Dorf, dessen Hauptstraße an einer etwa 2 m hohen Mauer endete. Normalerweise wäre sie links oder rechts zu umgehen gewesen, aber wir Weinseligen marschierten im Gleichschritt darüber hinaus und das ergab die erwähnten Blessuren. Wir feierten also mit Umberto Abschied, der Wein floss reichlich, wenn sich auch über den Geschmack streiten lässt. Der Rotwein war für meine Begriffe sauer und dazu wurden noch Zitronenscheiben hineingegeben. Dazu gab es “pane karasau”- hauchdünnes Fladenbrot mit gedörrtem Ziegenfleisch. Ich weiß ja nicht was die Sarden unter Dörren verstehen, ich hatte jedenfalls das Gefühl, bzw. einen Geschmack auf der Zunge, als hätten sie das Zeug verscharrt gehabt und uns zu Ehren wieder ausgegraben Mit Todesverachtung und einem verzückten Grinsen im Gesicht kaute ich nicht nur auf meiner Portion, sondern auch auf der meiner Mädchen, die sie mir heimlich zugeschoben haben.

Der Weitermarsch am Morgen muss ein Bild für Götter gewesen sein, der Rikschamann, eingerahmt von zwei Mädchen, zuckelte über die Holperstraßen von Sardinien. Voller Wehmut dachte ich an das in Olbia zurückgelassene Vorderteil meines Leiterwagens.

Unser nächstes Ziel war die Hauptstadt Cagliari. Die Zwischenstation in einem Fischerdorf nutzte ich aus, um einmal zum Fischfang hinausfahren zu dürfen. Etwas erschrocken war ich schon, als mir der Kapitän nach dem Auslegen der Netze eine Schrotflinte in die Hände drückte und mit wortreich meinen Arbeitseinsatz erklärte. Dabei weiß ich heute noch nicht, ob ich auf die Flossen von Haifischen oder Delfinen geschossen habe um sie an der Zerstörung der Netze zu hindern.

Nach der Besichtigung der Hauptstadt zogen wir weiter ins Landesinnere, um endlich das sagenhafte Räuberdorf Orgosolo kennenzulernen. Wie ein Gladiator zog ich mit meinen Marketenderinnen dort ein, nur mit dem Unterschied, dass ich das Zugpferd war und nicht der Held. Wenn wir geglaubt hatten, dass hinter jeder Ecke ein Räuber Kneissl steht, war das ein Trugschluss, wenn auch die Gestalten recht furchterregend aussahen. Die Sarden sind eher klein von Wuchs, dunkelhäutig und von verschlossenem Wesen. Der Grund für die vielen Entführungen und Erpressungen dürfte wohl der große Unterschied zwischen Arm und Reich sein. Mein Schäfer bei dem ich eine Woche blieb, erzählte mir auch noch einen anderen Grund für die blutigen Fehden. Das Leben dort ist einsam und eintönig. Es kann vorkommen, dass aus Jux und Langeweile ein Schaf gestohlen wird. Es folgt die Gegenmaßnahme und der Streit führt dann schnell zu Mord und Familienfehden( Vendetta ).

Wir schlugen unser Zeltlager etwas außerhalb des Dorfes in der Wildnis auf und als es dämmerte, bekam ich es doch mit der Angst zu tun. Auf einmal glitten Schatten mit Gewehren in den Händen um unser Lager und die Nudelsuppe, die wir grade löffelten, wollte mir gar nicht mehr schmecken. Erst als sich auch Frauen in den immer enger werdenden Kreis einreihten, wurde mir leichter ums Herz. Es war also kein Überfall, sondern bloße Neugierde und eine große Verbrüderung begann. So sehr mir auch die weibliche Begleitung behagte, so war ich doch froh, dass ihr Urlaub zu Ende ging und sie am nächsten Tag mit dem Autobus in die Hafenstadt Olbia abfuhren. Bei dieser nächtlichen Lagersitzung hatte ich mich mit einem Hirten angefreundet, der ein Jahr in Deutschland arbeitete und dadurch unsere Sprachschwierigkeiten reduzierte.

Die letzte Woche war dann das Tüpfelchen aufs I. Ich zog mit in seine Hütte, hütete Schafe und genoss die unbeschreiblich schönen Abende. Der fast klebrige Duft der Kräuter benebelte mich und der klagende Ton der Maultrommeln, der irgendwo in der Einsamkeit anfing und dann von anderen Schäfern übernommen wurde, versetzte mich in eine andere Welt. Ich trennte mich schwer von den Leuten und dieser seltsamen Insel und habe schon oft vergeblich versucht, mich durch die mitgebrachte Maultrommel noch einmal im Geist in diese Welt zu versetzen.

Soweit OTTO und sein Erlebnisbericht. Ich kann gar nicht ausdrücken, wie nahe ich der Gefühlswelt dieses wundersamen Globetrotters bin. Und während ich dies schreibe, vermeine ich den Duft der “macchia” auf der Zunge zu schmecken und wenn ich die Augen schließe weiden um die schattenhaft zu sehenden Nuraghen die Schafe. Vielleicht wird mir Ingeborg so etwas erzählen, wenn ich sie wieder in die Arme schließe- nach einer langen einsamen Woche.

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