Strict Standards: Only variables should be passed by reference in /www/htdocs/w0090830/theend/opa/wp-includes/gettext.php on line 66

Strict Standards: Only variables should be passed by reference in /www/htdocs/w0090830/theend/opa/wp-includes/gettext.php on line 66

Strict Standards: Only variables should be passed by reference in /www/htdocs/w0090830/theend/opa/wp-includes/gettext.php on line 66

Strict Standards: Only variables should be passed by reference in /www/htdocs/w0090830/theend/opa/wp-includes/gettext.php on line 66

Strict Standards: Only variables should be passed by reference in /www/htdocs/w0090830/theend/opa/wp-includes/gettext.php on line 66
Gedanken » Blog Archiv » Bolognese-2

Bolognese-2


Deprecated: preg_replace(): The /e modifier is deprecated, use preg_replace_callback instead in /www/htdocs/w0090830/theend/opa/wp-includes/functions-formatting.php on line 76

Die Wartezeit in der Bologneser Kaserne war schnell zu Ende. Selbstverständlich sollten wir so bald als möglich bei unserer Ersatzeinheit sein. Die anfänglich zerstörte Strecke war nun wieder leidlich benutzbar, dafür aber war der Bahnhof an dem wir angekommen waren durch ein paar Bomben getroffen worden. Wir sollten also von einem Vororte-Bahnhof wegfahren und dazu bekamen wir für eine Nacht Unterkunft in einem Gartenpavillon zugewiesen. Da die Nacht noch weit war, machten wir uns auf die Suche nach irgendeiner Unterhaltung. Nach einigem Herumfragen erfuhren wir von einer Osteria, die hauptsächlich von den Bahnarbeitern benutzt wurde. Wir fanden sie auch tatsächlich in einem kleinen Häuschen und als wir die halbvolle Gaststube betraten wurde es dort für eine Minute ganz still. Ich muss in Erinnerung rufen, dass sich der von den Alliierten besetzte Teil Italiens bereits im Kriegszustand mit dem Dritten Reich befand. Selbstverständlich sympathisierte der grösste Teil der Bevölkerung eher mit der anderen Seite und die Italiener sahen in uns also Feinde, weil wir in ihrem Lande Krieg führten und Mussolini wollten sie schon gar nicht. Wir taten so als merkten wir nichts, setzten uns an einen Tisch und bestellten vino. Jetzt muss ich natürlich auch schon einmal erzählen wer “wir” waren. Vier Wiener Lausbuben, alle im gleichen Alter. Da war der Jelinek Franz aus einem Gemeindebau in der Linzerstrasse, dann der Reiterer Herbert aus dem achten Bezirk und der Ziegelwagner Robert aus Stadlau. Na und ich natürlich. Wir hatten alle vier zu der Einsicht gefunden, dass es besser wäre der Scheisskrieg sei schon zu Ende und dass es nutzlos vertane Zeit sei, die wir hier verbringen mussten nur um ein paar Goldfasanen zu einer schönen Zeit zu verhelfen. Zu gewinnen hatten wir nichts mehr- im Gegenteil es konnte nur immer schlimmer werden. Es dauerte nicht lange und einer von den Italienern stand auf, trat an unseren Tisch um mit uns zu sprechen. Er sprach recht gut deutsch. Auf unsere Frage, wie er zu seinen Sprachkenntnissen käme, erzählte er uns, dass er in Deutschland dienstverpflichtet sei und nun auf Urlaub da sei. Wir luden ihn ein, sein Glas zu holen und mit uns zu trinken. Das tat er auch, aber er kam nicht nur mit einem Glas sondern mit einer ganzen Flasche. Natürlich wollte er wissen aus welcher Gegend wir kämen und als wir ihm eröffnete, dass wir aus Wien wären sang er sofort begeistert: “Wien, Wien, nur du allein”. Das Gespräch wurde lebhafter, schon hatte sich ein zweiter seinen Stuhl zu unserem Tisch gestellt und nun redeten wir mit Händen und Füssen, halb Deutsch und mit italienischen Worten dazwischen. Dann stand ein anderer bei uns und sagte: “Du cantare, canzone viennese!” Ich sah den Franzi an und er mich: “Tan ma”? Der Robert war unmusikalisch und der Herbert konnte nur schwer die Stimme halten, aber wir zwei konnten schon und da war ich auch schon mittendrin: “Mein Herz und mein Sinn, strebt stets nur nach Wien- nach Wien, wie es weint, wie es lacht….” Und dann fiel der Franz ein mit seiner kehligen dunklen Stimme “…müsst ich einmal fort von dem schönen Ort…” Es war plötzlich ganz still geworden in der schummerigen Stube. Die Bahnarbeiter hatten ihre Gespräche eingestellt und hörten zu wie wir dieses weltbekannte Lied zum besten gaben. Und sie kamen an unseren Tisch, wollten mehr hören und mit den Liedern fielen alle Barrieren zwischen uns. Bald sassen wir an ihrem großen Tisch mitten unter ihnen, bald sangen sie, bald sangen wir. Sie hatten erkannt, dass wir, genau wie sie, unter der Furie des Krieges litten und nichts sehnlicher wünschten als wieder nach Hause zurück zu kehren. Die Angelegenheit artete zu einem großartigen Besäufnis aus, denn die Gläser wurden nicht mehr leer. Der Herbert hatte noch dazu das Talent, dass er eine Menge Hitlerwitze sogar den Italienern glaubhaft machen konnte und die Stimmung war jedenfalls ungeheuer. Aber irgenwann erinnerten wir uns doch daran, dass wir am nächsten Morgen einen Zug zu besteigen hatten. Vor dem Gasthaus verabschiedeten wir uns von unseren Zechgenossen und sie erklären uns genau wie wir zu unserem Pavillon kommen konnten. Also torkelten wir auf einem staubigen Sträßchen unserem Ziele zu, voran der Robert. Der war eigentlich der nüchternste von uns. Danach in einem Respektabstand der Franz und ich, natürlich noch immer singend. Hinten dran der Herbert. Der hatte erklärt er müsse auf uns beide aufpassen, weil wir nicht mehr zurechnungsfähig wären. Auf unserem Weg kamen wir auch an einer kleinen Gebüschgruppe vorbei. Plötzlich drängt mich der Franz zur Seite-ich falle in den Strassengraben und er auf mich drauf! Empört rufe ich:”Bist deppert?” Er keucht:” Du, de schiassn mit Leuchtspur auf uns”. Mittlerweile war auch der Herbert bei uns angelangt” Was duats denn da in Graben unten?” Der Franz aufgeregt:”Volle Deckung, Herbert! De schiassn mit Leuchtspur”. Mitleidig der Herbert: “Na, ihr miasst aber zwa urdentliche Deppen sein, wanns ihr scho de Glühwürmchen fir a Leuchtspur halts.”

So bekam ich meine “Feuertaufe”. Mit Leuchtkäfern, die in dieser Nacht schwärmten und ihre Partner suchten. Die Nacht war furchtbar. Der Kater am nächsten Tag auch. Von zwei Fliegeralarmen unterbrochen-bei dem wir jedesmal den Zug verlassen mussten- erreichten wir doch mittags schon Faenza und meldeten uns in der Ortskommandatur.

Einen Kommentar schreiben