Was man von Rabeneltern alles lernen kann

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In die Mittagsstille hinein, platzt mit lautem Blätterrascheln des Baumes in unserem Hinterhof, ein schwarzes Etwas, das sich gerade noch vor dem Aufschlag auf dem Boden erfängt und dann irgendwie landet. Ein junger Rabe sitzt da, ziemlich benommen und erschrocken, der linke Flügel hängt zu Boden und sieht gebrochen aus. Nach einer gemeinsamen Schrecksekunde nimmt er uns wahr und beginnt tolpatschig herumzuhüpfen. Jeder Flugversuch endet spätestens nach einem halben Meter Flug wieder auf dem Boden, nach 15 Minuten sitzt er fix und fertig mit offenem Schnabel da, und ist sichtlich irritiert. Währenddessen kreisen über uns 2 andere Raben die mit lautem, anhaltenden Krähen nach ihrem Jungen Ausschau halten. Auch nach einer Stunde ändert sich an der Situation nichts Wesentliches.

Ich rufe also die Tierrettung an und erfahre von dem freundlichen Herrn dass das ganz normal sei. Rabeneltern wissen, im Gegensatz zu den meisten unserer Artgenossen, nähmlich genau, wann die Zeit reif ist und ihre Jungen selbstständig genug sind. Dann stossen sie sie einfach aus dem Nest und die Jungen haben gar keine andere Möglichkeit als selbst fliegen zu lernen. Ihre Muskulatur macht aber manchmal noch nicht so mit, wie sie soll und dann gibt es schon mal Bruchlandungen. “Alles ganz normal, einfach total in Ruhe lassen”, meint der Mann also. Meine besorgten Fragen, dass der kleine Rabe hier aber nicht mehr wegkommt oder gar verhungert, schlägt er in den Wind. “Das kann mitunter ein paar Tage dauern, aber vertrauen sie der Natur, der Kleine schafft das schon und wenn´s drauf ankommt, dann füttern ihn seine Eltern eben bei uns, am Boden”.

“Ok, meine Junge”, denke ich also, “dann relax mal schön”. 3 Stunden und einige weitere Bruchlandungen lang hat´s gedauert, dann hat er es wieder gepackt. Und so schnell wie er hier aufgetaucht ist, war er auch wieder dort wo er hingehört. Viel Glück und schönen Flug dort oben!

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