Web 2.0 Longlist

Mein Gott, wann soll man sich das bloss alles anschaun? Die längste Linkliste mit Web 2.0 Anwendungen, ever.

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25 Jahre, kein bisschen weise

Vor 25 Jahren, am 1. August 1981 ging MTV OnAir und hat seither sowohl unsere Medienlandschaft wie auch die Bildsprache allgemein radikal verändert wie noch kein anderes Fernsehformat zuvor. Heute ist der Sender ja leider zur gestylten Datingklitsche verkommen, bzw. pimpt alles was man sich nur vorstellen kann, wenn auch nicht mag. Das damalige Zielpublikum ist erwachsen geworden, mich eingeschlossen. Und eigentlich ist es für mich gar nicht vorstellbar, dass beispielsweise mein Ältester mit seinen 23 eine Medienwelt ohne MTV gar nicht kennt.

Der erste Clip, den MTV damals vor 25 Jahren sendete war »Video killed the Radio Star« von den Buggles. Wie wahr! Heute müsste es jedoch heissen »YouTube killed the Rest of MTV«.

YouTube, Anfang 2005 gegründet, verzeichnet seit Monaten ein explosionsartiges Wachstum. Täglich werden etwa 100 Millionen Videos abgerufen. Täglich kommen an die 65.000 dazu. Einfachheit ist das Prinzip: Nutzer können Videos in gängigen Formaten hochladen. Youtube konvertiert sie in Flash-Filme, die in allen gängigen Browsern angeschaut werden können. Mit ein paar Zeilen Code lassen sich diese Filme auch problemlos in Weblogs einzubauen. Lulu.tv geht noch einen Schritt weiter, hier wird man für das Abspielen seines Videos sogar bezahlt. Und das Design der Seite ist obendrein sehr übersichtlich und gut gelungen, was man von Youtube ja nicht gerade behaupten kann.

Jedenfalls wird sich MTV in den nächsten Jahren warm anziehen müssen, wenn sie Ihrem Namen »Music Television« noch gerecht werden wollen.

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i-TV steht am Start

Die Spindoktoren von Bundeskanzlerin Merkel haben nun auch die Bedeutung moderner Medien entdeckt. Und so kann sich unsereins nun wöchentlich das Geschwafel die Botschaft von Frau Merkel als Video-Podcast zu Gemüte führen. Wer mit dem Kanzlerin-TV jedoch seine Schwierigkeiten hat, weil es eher an Neujahrsanspachen erinnert, als an authentische Kommunikation, kann sich ja mal bei den progressiven Protagonisten dieses Genres ein Bild machen wie das wirklich funktionieren könnte.

Beispiel Rocketboom: Das tägliche Videoblog von Amanda Congdon wird jeden Tag von über 300.000 Zuschauern aufgerufen. Inzwischen haben auch die Werber das neue Medium entdeckt, an die 85.000$ kostet im Moment eine wöchentliche Schaltung bei Rocketboom, Tendenz steigend. Das deutsche Pendant dazu heisst Ehrensenf, und ist aus einer Allianz ehemaliger Print- und TV-Machern entstanden. Nicht ganz meins, muss man aber auf alle Fälle im Auge behalten, ob die Herrschaften in der nächsten Zeit zukunftsweisendes auf die Füsse stellen werden. Jedenfalls erwartet das Marktforschungsunternehmen eMarketer allein für den Bereich Podcasting, dass in diesem Jahr ingesamt 80 Mio $ für Werbung ausgegeben wird. Bis 2010 sollen die Ausgaben sogar auf 300 Mio $ steigen.

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Flock

Seit kurzem ist die Beta von Flock 0.7 online. Gibt es im Moment nur für Mac und basiert auf Mozilla, der gleichen Grundlage wie Firefox. Interessant sind ein paar nette Web 2.0 Features, wie Integration des eigenen Delicious- und Flickraccounts, RSS-Reader und Blogeditor. Sieht nett aus, ist in 5 Minuten komplett installiert (samt Übernahme aller Einstellungen vom Firefox) und hat einen flotten Seitenaufbau. Dieses Posting blogge ich gleich direkt aus Flock heraus. mal schaun wie´s bei Einvoll ankommt.

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Webwatching

Webwatching ist ein neues Interviewmagazin. Reine Flashseite, sehr intelligent und einfach gemacht von Artificialduck, deren Seite auch sehr fein ist. Der grösste Nachteil von Flash sind ja immer noch die umständliche Verwendung von Deeplinks, deswegen kann ich´s auch nicht direkt verlinken. Aber das Interview mit Peter Glaser darf man nicht versäumen.

Update: Und jetzt hat man auch eine HTML-Version nachgeschoben. Hier geht´s zum Glaser-Interview. Nebenbei bemerkt erinnert mich die Flash/HTML-Diskussion die angesichts der Webwatchingseite entfacht wurde an den lächerlichen Glaubenskrieg der Apple- und PC-Gemeinde.

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Nine Inch Nails

Anfang der 90er war MONDO 2000 das einzige Magazin das sich ernsthaft mit Virtual Reality und Cyber Media beschäftigte. In einer Anzeige dort sah ich das Cover von “Broken” von Nine Inch Nails. Die Cd war in Österreich natürlich nicht erhätlich, auf Umwegen bekam ich sie dann doch. Ich habe sie sofort getaped und das erste Mal während des Besuch einer Rembrandt Ausstellung gehört. War das ein Kontrast! Am meisten beindruckte mich der brachiale, aggressive und trotzdem harmonische Sound, der nichts mit dem üblichen Headgebange der dumpfen Heavy Metal Bands zu tun hatte. Trotzdem waren die lyrischen Songs, bis auf wenige Ausnahmen eher mühsam zu hören. Nach einer ganzen Cd bin ich mit meinen Nerven ziemlich am Ende, aber ich bin ja auch schon über meiner Lebensmitte. Was mich allerdings bis heute fesselt ist die Harmonie im Chaos, und umgekehrt.

Kurz darauf spielten NIN das erste Konzert in Wien. So viele bleichgesichtig, adoleszente, schwarze Ledermäntel hab ich seither nie wieder auf einem Fleck gesehen. Die Gerüchteküche um das Mastermind Trent Reznor brodelte, denn angeblich war sein Studio in der Villa des Massenmörders Charles Manson. Nebenbei war auch das visuelle Artwork revolutionär. Ein, bis heute, stimmiges Logo und eine Bildsprache, die Sehgewohnheiten in Frage stellte. Allerdings wirkten die Videos, die mittlerweile auch bei MTV liefen, eher nüchtern und holzig. Vielleicht aber wollte sich der Querkopf Reznor schon damals nicht unter das Diktat der Musikindustrie stellen.

Dieser Tage erscheint das neue Album von NIN und wieder verfolgt er eine revolutionäre Idee. Er veöffentlich den Track “The Hand That Feeds� als Multitrack-Garageband-File. Das bedeutet, dass Apple-Nutzern alle Spuren der Studioaufnahmen vorliegen und diese somit für Remixe nutzbar sind. Herr Reznor tut als intelligenter Mensch genau das, was man als erfolgreicher Künstler dieser Tage tun sollte. Er schüttelt freundlich und kreativ the hand that feeds, statt sie zu beißen und stellt sich wieder einmal gegen die Musikindustrie, die noch immer nicht bemerkt hat, dass es sie eigentlich nicht mehr gibt. Dort ist man vielmehr mit Themen wie Urheberrecht und digitalem Kopierschutz beschäftigt und wird sich bald selbst begraben.

Und, dass ich das Album kaufe und nicht downloade ist wohl Ehrensache. Und hier das Video zu The Hand That Feeds (Quicktime, 35 mb)

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United Imperium of Google

Nach eigenen Aussagen verfolgt Google den Auftrag und das Ziel Information zu organisieren. Was den Herrschaften auch ziemlich gut gelingt. 2003 wird der Webloghost Blogger gekauft, die Googlenews werden gelauncht, im Jahr darauf folgt Googlemap. Ebenfalls 2004 fixiert Google die Zusammenarbeit mit den US-Uni-Bibliotheken in Stanford, Harvard und Michigan sowie der New York Public Library und der Uni-Bibliothek im britischen Oxford an. 15 Millionen Bücher sollen gescannt und kostenlos ins Netz gestellt werden. Die geschätzten 150 Mio Dollar sind nach Googles Börsendebut ein Pappenstiel für das Unternehmen.

Die Anmeldungen zu Google´s neuem Freemailer Gmail werden seit Wochen wie am Schwarzmarkt unter der Hand gehandelt. Wer was auf sich hält, hat bereits einen Account und verschickt mit stolz geschwellter Brust Einladungen. Ein auf breite Masse konzipiertes Feature, mit dem Image von Individualität. Zumindest bis es alle haben. Branding at it´s best! Google hat die besten Chancen gleichzeitig Kult wie Massen zu bedienen und befindet sich auf dem besten Weg zur eierlegenden Wollmilchsau.

Ein wenig nachdenklich sollte das jedoch schon stimmen was sich da so als ganz selbstverständlich unter dem Deckmäntelchen der Einfachheit, zielstrebig in unser Informationsweltbild einschleicht. Denn, wenn man heute etwas wissen will ist fast immer Google die erste Adresse. Die Suchergebnisse bilden quasi die Quersumme die Wissens und sind somit das Schlüsselloch zum Datensilo dieses Planeten.

Was aber wenn Selektionsverfahren bestimmte Informationen ausblenden? Google scannt bereits neonazistische Inhalte und (um uns zu schützen?) blendet diese aus. Das bedeutet, dass die Manipulation von Information bereits gegenwärtig ist. Interessieren würde mich auch nach welchen Masstäben in Zukunft über Gut und Böse entschieden wird? Die Kooperation mit den angloamerikanischen Eliteunis wird die Welt dann auch zwangsläufig aus einer rein angloamerikanischer Perspektive zeigen.

Im Moment sieht alles so aus als überantworte man Google freiwillig das Monopol zur Organisation von Information. So viel Macht in einer Hand macht mich grundsätzlich skeptisch und frei nach dem Motto aller Wissenschaften “Menschen werden immmer versuchen alles was möglich ist auszuschöpfen” befürchte ich Zukunftsszenarien dieser Art.

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