Im Vorwort des Buches “Projekt Vitra” schreibt Rolf Fehlbaum, Sohn des Gründer und Präsident des Verwaltungsrates von Vitra:
Wir arbeiten mit Designern die nicht bloß über Gestaltungsgeschick verfügen, sondern in ihre Arbeit Weltsicht und Eigensinn einbringen. Sie verleihen dem Design eine Botschaft, die über bloße Gefälligkeit hinausweist.
Deshalb war unsere Freude groß, als letzte Woche Titi Laflora mit einem Eating-Konzepts für eine Veranstaltung von Vitra beauftragt wurde. Anlass war ein Vortrag vom CEO, Hanns-Peter Cohn vor 110 Architekten, Designer und Künstler zum Thema “Megatrend Sustainability“.

Fünf Tage für Konzeption und Realisierung, nicht gerade üppig. Aber dafür ist das Thema umso spannender. Wir haben uns also die Frage gestellt, wie sich das Thema Nachhaltigkeit im Bewusstsein der Besucher plazieren lässt, ohne den moralisch erhobenen Zeigefinger zu bemühen. Außerdem wollten wir Materialien einsetzen, die wenig bis keine ökologische Spuren hinterlassen. Weder Geschirr noch Besteck wollten wir verwenden und auch allfälligen Restmüll so weit als möglich vermeiden. All das verlangte nach einer “anderen” Präsentation.
Zweckentfremdung fokusiert Aufmerksamkeit
Mit einem Alltagsobjekt wie einem Eierkarton, verbinden die wenigsten ein emotionales Erlebnis. Im besten Fall realisiert man seine Schutzfunktion. Und genau diesen Gedanken wollten wir weiterdenken. So haben wir die graue Recyclingbox mit Kostbarkeiten beschriftet und mit 10 köstlichen Essbarkeiten von Titi Laflora befüllt. Drei verschiedene Desserts wurden adäquat dazu auf quadratischen Eier-Tabletts serviert.


Wir konnten den Auftraggeber auch überzeugen auf die klassiche Buffetpräsentation zu verzichten. Stattdessen überraschten wir die Gäste mit einer Kostbar. Ein formal zurückhaltendes Design, passgenau aus Wellpappe gefertigt und nur mit einem Schriftzug versehen. Dieser wurde manuell in die Wellpappe geschnitten und danach die oberste Papierschicht entfernt.


Die vielen positiven Reaktionen haben uns selbst überrascht. Sowohl von Kundenseite wie auch von den Gästen selbst. Alle leeren Eierkartons wurden Kindergärten zum Basteln übergeben und der verbleibende Restmüll hatte in einem mittelgrossen Müllsack Platz. Und ich würde mich nicht wundern, wenn man sich an diese Veranstaltung erinnert, wenn man das nächste Mal einen Eierkarton in der Hand hält.
Mehr Bilder vom Entstehungsprozess und von der Veranstaltung bei Flickr »

Reisst mich immer wieder vom Stockerl wie Claudia Rogge das menschliche Individuum fotografisch in Szene setzt. Oben zu sehen eine aktuelle Arbeit mit dem Titel: ISO 100118. In aufwendig inszenierten Shootings entstehen die Einzelbilder und Sequenzen, die Sie durch Klonen und nachträgliche Bildmanipulation zu grossformatigen Kompositionen montiert. Eine scheinbar grenzenlose Masse, reduzierte Farben, zumeist Schwarz, Weiss oder Rot, und eine betörende Ästhetik, die man sich von 5.3. – 24.4.2010 in der Galerie Voss in Düsseldorf nicht entgehen lassen sollte.
Website von Claudia Rogge
Noch mehr Bilder
Das in Deutschland stattfindende Filmfestival Ausnahme|Zustand mit Start am 27.04.2006 will Menschen ins Gespräch bringen zu einem Thema, das uns Angst macht, das wir tabuisieren, über das wir in der Öffentlichkeit nur ungern sprechen: Psychische Erkrankungen. Die Protagonisten der Filme sind Menschen mit psychischen Erkrankungen, auf der Suche nach ihrer eigenen Identität im Spannungsfeld zwischen Neugier und gesellschaftlicher Stigmatisierung. Gesprächsangebote begleiten die Vorführungen von Ausnahme|Zustand. In diesen Foren können Menschen, die psychische Krankheit durchgemacht haben, ihre Angehörigen und Experten mit dem Publikum diskutieren. Gestalter der Foren und Festivalpartner vor Ort sind Selbsthilfegruppen, Betroffenen- und Angehörigenorganisationen, Verbände und Einrichtungen, die sich für die Erhaltung und Förderung der seelischen Gesundheit engagieren.
Update zu JUST LIKE THE MOVIES: Photoset der Premiere gibts hier »

Die Idee zu Michal Kosakowskis bislang umfangreichsten Filmprojekt »JUST LIKE THE MOVIES« entstand kurz nach dem Terroranschlag auf das WTC. Der Film rekonstruiert die Ereignisse in New York anhand von Bildern aus insgesamt 52 Hollywood-Spielfilmen. Aus 418 Filmszenen zusammengeschnitten, ergibt sich ein “Spielfilm” von eindringlicher Direktheit mit beunruhigend vertrauten Bildern.
Der Film stösst dabei hart an die Grenzen des Urheberrechts. In Europa verfügt Deutschland als einziges Land im Dschungel der ©-Bestimmungen über eine Klausel, die erlaubt, Ausschnitte von Filme zu zitieren.
Uraufführung in der Lothringer 13, der städtischen Kunsthalle München.
Eröffnung 6. April 2006, 19.00 Uhr
Katalogpräsentation 18. Mai 2006 mit Live-Musik von Paolo Marzocchi
Dauer der Ausstellung: 7. April bis 25. Mai 2006
Öffnungszeiten: Di – So, 14 – 20 Uhr
Filmbeginn immer zur vollen Stunde
Die Musik von Kraftwerk, Michael Rother, Holger Czukay und nicht zuletzt Hans-Joachim Roedelius waren akustischen Wegbegleiter meiner Adoleszenz. Die Alben dieser Herren liefen in Powerrotation auf meinem, vom ersten selbst verdienten gekauften, Dual-Laufwerk und waren, ob der Lautstärke, sicher ein wesentlicher Grund warum mich die Nachbarn nicht so gern leiden mochten.
Als wir dann vor 2 Jahren, bei einer Live-Performance, Hans-Joachim Roedelius im TV gesehen haben, hat Judith ihn einfach angemailt. 2 Tage später sassen wir uns dann gegenüber. Selten hab ich so einen sprühenden Geist erlebt, so voller Ideen, so motivierend, so aktiv, und so schnell, dass er sich fast selbst überholt. Nach einer Stunde haben wir von gemeinsamen Projekten gesprochen, aus denen, zumindest bis jetzt, noch nichts geworden ist. Aber das kann ja noch werden. Jetzt gibt es wieder ein neues, kräftiges Lebenszeichen von ihm:

“Bands wie Kluster/Cluster oder Harmonia dienen Kennern der Pop-Historie gerne als visionäre Beispiele für „Krautrock“. Namen wie Brian Eno, Holger Czukay, Konrad Plank, Dieter Moebius, Konrad Schnitzler oder Michael Rother formieren eine imaginäre Versammlung der wichtigsten Konzeptionisten und Komponisten der Elektronik-Avantgarde der siebziger und achtziger Jahre. Er, mittendrin, hat mit ihnen allen gearbeitet. Und einen höchst umfangreichen, individuellen Klangkosmos geschaffen: Roedelius.
Roedelius ist Pionier auf dem Gebiet der Erforschung und musikalischen Verwertung elektrisch generierter und manipulierter Geräusche, Töne und Klänge. Er gehört unzweifelhaft zu den Vätern der zeitgenössischen, elektronischen Instrumentalmusik. Die der Schöpfer selbst als klingende Literatur, als Philosophie der Hörsphären, als Klangkino oder Horchtheater bezeichnet. Im Vorjahr machte der legendäre Künstler, der seit vielen Jahren in der Nähe von Wien lebt, mit seinem Projekt Lunz und einem feinen, kleinen Festival in Lunz am See von sich hören.
Dieses Jahr erscheint nun „Works 1968 – 2005“, eine Anthologie in Form einer Doppel-CD, die das komplette Schaffen Roedelius’ umspannt. Prominent ist das Label: Groenland – Herbert Grönemeyers privates (und dabei ungemein erfolgreiches) Avantgarde-Biotop.” (Walter Gröbchen)
Weitere Infos zur Veranstaltung
Roedelius Webseite

Kürzlich bei “Julius Meinl am Graben“, die Nobeladresse in Wien, wenn es darum geht Köstlichkeiten einzukaufen. Und es gibt wirklich ne Menge davon. Hin und wieder verschlägt es uns beiden Genießer und Feinschmecker dahin, da wir immer wieder etwas entdecken, wovon wir bis dato nichts wussten wie z.B. diesmal schwarzes Kristallsalz oder Fruchtsenf. In diesem Gourmettempel gibt es auch ein Restaurant für Gernesser mit prall gefüllter Brieftasche oder man trifft sich dort zu einem wichtigen Geschäftsessen oder feinen Dinner und natürlich ist es auch ein gern frequentierter Ort um gesehen zu werden. Auf jeden Fall ein Restaurant mit sehr gutem Ruf. Im Restaurant integriert gibt es eine große Bar, an der wir hin und wieder wissentlich sehr guten aber sehr teuren Kaffee schlürfen, was wir auch diesmal machten.
Wir saßen vis á vis der elektrischen Schiebetür zur Küche und es gelingt einem Gast gar nicht, nicht einen Blick in die Küche zu werfen. Nachträglich empfehle ich keinem Gast diesen Platz, der sich das Image der Noblesse, Eleganz und des Besonderen aufrecht erhalten möchte. Der Blick in die Küche hat mich dermaßen schockiert, und mein Bild von “Julius Meinl am Graben” ist wie eine Seifenblase zerplatzt. So schnell geht das. Niemals hätte ich erwartet, eine dermaßen schmutzige und heruntergekommene Küche vorzufinden, um 16:30 Uhr – also gar nicht zu einer Hauptstosszeit: am Boden eingetretene Papierservietten und Essensreste, schwarze Schuhabtritte, schmierige Aluflächen. Ich war wirklich sprachlos und ziemlich enttäuscht. Und mit diesem neuen Bild bin ich dann durch den Gourmettemptel geschlendert, und fand überall, bei genauerem Hinsehen, diesen Zustand vor, da ich aus völlig anderen Augen schaute.
Das Interessante daran ist, an mir selbst zu beobachten und zu erkennen, wie schnell ein Image zerstört wird und wie viel dazugehört ein gutes Image zu pflegen, vor allem aber wie schwierig es ist ein gutes Image wieder herzustellen.

Zwischen den monumentalen Säulen in der abgedunkelten Halle des Semper Depots stehen, liegen, krümmen sich eine Gruppe von Drahtfiguren. Dreimeterhoch, im Schwarzlicht neongelb leuchtend, jede für sich allein. Das Vernisagenpublikum ist fast nicht wahrzunehmen und verliert sich in der Dunkelheit und Grösse des Raumes. Obwohl, in Haltung und Ausdruck unterschiedlich, wecken die Skulpturen Gefühle wie Gleichförmigkeit, Identitätsverlust, Teilnahmslosigkeit und Voyeurismus. An einer Wand läuft eine raumhohe SW-Projektion. Ein junger Sandler, der sich kaum auf den Beinen halten kann, scheint mit seiner Körpersprache die Modellvorlage für die Haltung der Figuren zu sein. Besucher werfen Schatten in die Projektion und scheinen Teil der Handlung zu werden. Sehenswerte, gelungene Inszenierung, meinen wir, und lassen uns ein Glas Weissen schmecken. Jedoch, hochwattige Kommerzgroovies á la Lenny Kravitz veranlassen uns dann zu einem raschen Aufbruch. Die Faust auf´s Aug, wie der Wiener so schön sagt.
Heute morgen finden wir auf einem Flyer zur Ausstellung einen Text von Goschka Gawlik (2 mb, mp3). Hut ab, die Dame hat vielleicht ein Fremdwörtervokabular! Wir meinen, dass es trotzdem schön wäre, wenn Kunsttheoretiker verständlich wären und ein Interessierter nicht das Gefühl hätte, ein völliger Trottel zu sein. Entweder denkt Frau Gawlik so kompliziert oder sie hat einfach kein Interesse, dass man sie versteht, oder man will einfach unter sich bleiben. Künstlerisches Jägerlatein sozusagen! Wir haben jedenfalls herzhaft gelacht!
Auszug aus dem Pressetext: T-Systems Austria lädt Sie zu einem exklusiven Kunsterlebnis mit allen Sinnen – und mit allen Informationen: Das BA-CA Kunstforum hat in einer Kooperation mit Men on the Moon, Superreal und T-Systems Austria einen innovativen multimedialen Ausstellungsguide entwickelt, der ein neuartiges und spannendes Erleben von Kunst und Kultur über ein benutzerfreundliches Abrufen von umfangreicher, multimedialer Information zur jeweiligen Ausstellung ermöglicht.
Und dieses exklusive Kunsterlebnis läuft dann wie folgt ab: Pünktlich erklärt uns eine PR-Dame wie sehr sie sich freut und stellt das Projekt kurz vor. Sie übergibt dann das Wort an die Direktorin des Kunstforums, die sich ebenfalls sehr freut. Ihrer Projektvorstellung folgen unmittelbar der Business Developer Manager von T-Systems und der Inhouse-Projektleiter. Die beiden Herren freuen sich auch sehr und stellen uns das Wunderding noch einmal genau vor. Als nächste Redner begrüssen uns daraufhin ein Projektmanager und ein Interfacedesigner einer Softwarefirma und dann kommt noch ein weiterer Herr. Bei seiner Vorstellung war ich dann schon etwas unaufmerksam. Gesagt hat er als einziger auch nichts. Ich weiss also weder wer er war noch ob er sich auch gefreut hat, nehme es aber an weil er sehr freundlich geschaut hat. Nach 45 Minuten Lobhudelei und kollektiver Freude waren wir nun vorbereitet genug, diese Errungenschaft auch persönlich zu testen.
Wir, das waren übrigens etwa 40 Personen, inklusive der 8 Redner samt Begleitung und der 6 Museumswächter! Und da stand ich nun inmitten dieser Menschenmenge mit meinem Personal Art Assistant vor dem Gemälde von de Kooning. Der ergonomisch unförmige Stöpsel in meinem rechten Ohr ist noch stumm. Den, nun schon eine Weile, rotierenden Pfeil auf meinem Display, den man der Dauer nach nur als Loadingphase für ein 30 Minuten Video deuten kann, entpuppt sich jedoch alsbald als ein Schaf im Wolfspelz. Die angekündigte “multimediale Information” die da über das W-Lan des Kunstforums übertragen wird besteht aus…
… Slideshows und gesprochenen Texten. That´s it! (was war eigentlich mit “exklusivem” Kunstevent gemeint)
Also bitte: Bilder sind bei einer Ausstellung ja wohl genug an der Wand und brauch ich nicht noch zusätzlich und in schlechter Auflösung auf einem PDA, Verzeihung, Personal Art Assistant. Und wenn jemand wirklich einen Erklärer und Erzähler braucht tun es die herkömmlichen Audioguides auch. Angeblich nutzen 15 % aller Museumsbesucher diese Dinger. Wenn´s nach mir geht könnt man ja auch auf die Titel neben den Objekten verzichten. Mir reicht das Bild alleine, wenn es gut ist. Und wenn nicht, dann wird es durch zusätzliche multimediale Information auch nicht besser.
Fazit: Die IT-Industrie sucht krampfhaft nach neuen Anwendungsmöglichkeiten für ihre Technologien, die Museumsmaschine hofft durch attraktive Angebote auf Zusatzeinnahmen und schafft sich eine Menge Arbeit rund um den versprochenen Content. Der muss ja besorgt, adaptiert, archiviert… werden. Und das bei ohnehin geringen Museumsbudgets. Ob die Rechnung auf geht bezweifle ich mal.